Warnung! Ja, auch in diesem Blog gibt es ab und zu Geekiges. Wen's nicht interessiert, einfach nur ignorieren...
WTF? Als Business Intelligence Consultant habe ich schon einige geile Tools sehen und weiterentwickeln dürfen, beispielsweise das aufgrund des Arbeitgeberwechsels für mich gestorbene TextAnalysis Projekt. Das automatisierte Abgreifen von Text aus den Social Networks, die semantische Auswertung sowie eine umfassende Sentiment Analyse sind schon ein sehr interessantes und aufregendes Betätigungsfeld. Ziemlich oft stößt man in meinem Bereich auf Software von SAP. Meist nicht schön, aber mit Kompromissen ... nun sagen wir mal funktionell. Und wenn man es dann einmal mehr oder weniger gut implementiert hat, wird es ziemlich teuer, es wieder auszutauschen (ist wie mit einer Ehefrau...)
Das witzige ist, dass SAP aber auch ständig versucht, seinem großen Vorbild Oracle nachzueifern und das bisher nach meinem Kenntnisstand und Ästhetikanspruch eher weniger erfolgreich. Nun bin ich im Zuge meiner Recherchen während der BusinessObjects XI 4.0 RampUp Phase häufig auf HANA gestoßen. Eine neue InMemory Architektur von SAP, die alles besser, schneller, peformanter machen soll. SAP liefert etwas Funktionierendes für Real-Time-Warehousing? Ja neeeee is klaaaa, dachte ich im ersten Moment. Doch oh Wunder, was momentan in Präsentationen und per World Wide Web an Informationen durchrieselt, lässt aufhorchen. Diesmal scheint es SAP gelungen, einen wirklich großen Wurf zu machen. Zur Erklärung:
HANA stellt eine vollständige Eigenentwicklung eines Mehr-oder-weniger-OLAP-Servers als Appliance-Lösung dar. Somit wird HANA als Kombination aus Hard- und Software angeboten (Stichwort Oracle Exadata). Nochmal, um es auf der Zunge zergehen zu lassen: Wir reden hier über einen von SAP entwickelten Datenbankserver mit Persistenz-Schicht! Er kopiert relationale Datenbanken fast in Echtzeit in eine lokale Kopie. Nun ist es möglich, auf die lokalen Kopie logische Datenmodelle zu legen. Damit können sämtliche Dimensions- / und Kennzahlendefinitionen während der Abfragen in Echtzeit interpretiert werden, ähnlich der BO-Universen. Wir haben also physikalisches und ein relationales Modell und einige OLAP Modelle oben auf. Für den täglichen Bedarf können nun Standardmodelle entwickelt und deployed werden. Somit entfällt einfach mal die parallele Befüllung verschiedener Cubes. Und zur Krönung ist das Ganze auch noch MDX-fähig.
Selbst Berechtigungskonzepte für Daten und Strukturen werden innerhalb von HANA abgefackelt. Zwar darf eine Kompatibilität zu den Metadatenstrukturen anderer SAP Produkte angezweifelt werden, aber das ist sicherlich nur noch eine Frage der Zeit. Ebenso hält eine neue objektorientierte (PL/SQL ähnliche) Entwicklungssprache Einzug, die es auch ermöglicht, virtuelle Tabellenobjekte ähnlich der pipelined functions in Oracle zu erstellen. Updates oder Deletes werden nicht unterstützt, das ganze ist insert-only, schließlich hat HANA gefälligst den zeitlich korrekten Datensatz zu finden und bereitzustellen - basta! Sämtliche Daten werden im Speicher vorgehalten. Der Speicherüberlauf wird automatisiert von internen OS verwaltet - fertig. Anhand der zu verwaltenden Datenmengen und der HANA Struktur wird also ziemlich schnell klar, warum HANA als Appliance-Lösung angepriesen wird, schließlich dürften die I/O Anforderungen nicht ganz unerheblich sein. Aber was kostet die Welt - eine so schöne neue Welt?
Der nächste Paukenschlag für mich wäre wohl, dass eine Anbindung anderer ETL Tools nicht nötig wäre, da HANA eine javabasierte Lösung integriert anbietet. Hier wurde an mehreren Stellen der Begriff OLEDB fallen gelassen. Bleiben wir also gespannt. Lediglich die BW Anbindung erfolgt ggf. über die Dataservices, aber das sollte sich mit fortschreitenden Versionen ganz sicher ändern.
Fazit: Sollte dieser Befreiungsschlag wirklich halten, was er verspricht, ist wohl davon auszugehen, dass auch andere Produkte von SAP wie BW oder R/x mit der neuen Technologie arbeiten werden. In BO XI 4.0 sind ja scheinbar sowohl Explorer als auch WebI schon mit HANA Schnittstellen versehen. Ich muss ehrlich sagen, ich bin zum zweiten Mal von SAP beeindruckt. Das erste Staunen verursachte BusinessObjects XI 4.0, und nun sorgt HANA für offene Münder, Schon werden die ersten Chuck Norris Witze auf HANA portiert. Ich lehne mich zurück, knabbere mein Popcorn und harre der schnellen Dinge, die da kommen.
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