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    Dienstag, 14. Oktober 2008

    Die Hure des Verstands

    Gott ich liebe diesen Kerl! Jesus Prize Super Rahb aka Rahburt Prize veröffentlichte sein zweites Album "Brain Whore". Das erste Mal hörte ich Rahburt auf Empfehlung meiner heißgeliebten Kollegin Caroline in diesem YouTube Video:
    Sein Album lässt einem Schauer über den Rücken laufen. Das ist noch Liedermacherkunst! Germany 12 points!

    Dienstag, 7. Oktober 2008

    Papa, du spinnst

    Es ist Herbst. Der griesgrämige Nieselregen leckt uns über das Gesicht und hinterlässt Abschiedstränen des Sommers auf unseren Wangen. Doch Phillip und mir ist das "...pupsegal, wa Papa?". Denn des Herbstes energischer Gesell hat sich dazu gesellt. Der Wind ist endlich da.

    Wir haben ein kleines Ritual. Nach Frühstück und Kaffeetrinken machen wir einen langen Spaziergang durch den Neuenhagener Kiez. Was für Phil sehr aufregend ist. Es gibt viel zu sehen. Pferde, Wiesen, Wald und jede Menge Federvieh. Und seit neuestem auch die malerischen Künste des Herbstes. Neuenhagen leuchtet in allen erdenklichen Farben.

    Gut, wir haben Herbst, Wind, einen aufgeweckten Jungen, einen verspielten Papa und einen neuen Lenkdrachen. Eigentlich gute Zutaten für das Rezept "Aufregender Vormittag auf dem Weizenfeld":

    • Man nehme eine Prise Wind - haben wir definitiv
    • Zwei Esslöffel Bengel mit Schalk im Nacken - ooops, davon habe ich wohl ein Bisschen zu viel gekauft
    • Einen knallbunten Lenkdrachen - danke Pearl.de
    • Einen Papa der Ahnung vom Drachensteigen hat - auch davon haben wir reichlich.
    Lasst uns mit der Zubereitung des Abenteuers beginnen. Man stemme sich mit Jungen mit Schalk gegen die klitzekleine Prise Wind und komme nach gefühlten 30 Minuten endlich auf dem Feld an. Drachen ausgepackt - nun kann es eigentlich losgehen. Eigentlich......

    Als im Rezept "ein Papa der Ahnung vom Drachensteigen hat" erwähnt wurde, dachte ich, dass meine Kenntnisse reichen würden, die ich mir selbst als Junge angeeignet habe. Und wir haben unsere Drachen damals nicht gekauft, sondern selbst gebaut. So betrachtete ich mich voller Stolz als Drachenveteranen, der der Jugend von spannenden Begebenheiten zu berichten weiß. Aber mit meinem rudimentären Können Lenkdrachen beherrschen wollen, ist wie, sich nach Absolvieren des Führerscheins für Automatikschaltung hinter das Steuer eines Geländewagens mit Sechsganggetriebe zu setzen.

    Es musste scheitern. Der Drachen stieg pfeilschnell steil nach oben, nur um nach ein paar Pirouetten mit der gleichen Geschwindigkeit wieder auf dem Boden aufzuschlagen. Das war für Phillip natürlich bei Weitem nicht annähernd so spektakulär wie sein (in meinen Augen unterentwickelter) Winnie-Pooh-Drachen. Der blieb beim leisesten Windhauch in der Luft und Phil konnte ihn selbst halten. Nach zwanzig erfolglosen Minuten verlor mein Sohn verständlicherweise schlichtweg das Interesse. Grummelnd machte sich Papa (der offensichtlich doch nicht so bewandert in Drachenkunde war), mit dem Jungen (jetzt ohne Schalk, dafür voller Vorwürfe wegen Papa's Versagen) gegen den Wind kämpfend (wer hat eigentlich die Menge von einer Prise auf 2000 Gramm erhöht?) wieder auf den Heimweg.

    Das Mittagessen verlief frostig. Phillp verstimmt, Papa gnatzig und Mama ausgestattet mit einer Salatschüssel voll guter Ratschläge. Als Mama mich, nachdem wir die Kinder ins Bett gebracht haben, fragte, ob wir auch Mittagsschlaf machen wollen, musste mein verletzter Stolz lautstark verneinen. Ich hatte noch eine Rechnung zu begleichen! Ich blamiere mich kein zweites Mal vor meinem Thronfolger! Das feurige Blut des Drachenreiters kochte wieder in mir. Mit dem Fahrrad (ein Schlauchboot wäre bei dem Regen inzwischen besser gewesen) machte ich mich mit der widerspenstigen Bestie im Handgepäck wieder auf dem Weg zum Showdown mit dem Wesen der Mythen und Fabeln.

    Vom Ross gestiegen, das Visier der Rüstung tief ins Gesicht gedrückt, stand ich auf dem schlammdurchtränkten Schlachtfeld Angesicht zu Angesicht mit dem furchterregenden Lindwurm. Ich kitzelte ihn zaghaft und ließ ihn Zentimeter für Zentimeter das Reich der Lüfte erobern. So langsam bekam ich den Dreh raus, wie zwei Leinen handzuhaben sind. Ein paar Minuten später ließ ich der Bestie todesmutig freien Lauf. Bis es nicht mehr weiter ging. Dreißig Meter Leine abgespult!!! Und was war das für ein herrliches Gefühl, die Mächte der Natur und den allesverschlingenden Lindwurm unter meiner Kontrolle. Er zerrt an meinen Armen aber ich zwinge ihn zu immer waghalsigeren Manövern. Loopings, steilen Sinkflügen, Pirouetten. Alles ohne Bruchlandung. Eragon ist zurück!

    Ich fühle mich wieder frisch und voller Energie. Nach zwei Stunden wanke ich siegestrunken nach Hause und erzähle Phil von den neuen Abenteuern des Drachenreiters. Von den neuen Geschichten des Luftfahrtpioniers. Von dem Kampf gegen den König des Windes und gegen den furchterregenden Drachen. Und, wie wird einem die Aufopferung und das eingegangene lebensgefährliche Risiko gedankt? Phillip kommentiert mein Seemanns Pilotengarn ganz lapidar: "Papa, du spinnst!" Kein Respekt mehr die Jugend...

    Donnerstag, 2. Oktober 2008

    Otherland

    "Im Schlamm fing es an, wie so vieles. In einer normalen Welt wäre Frühstückszeit gewesen, aber in der Hölle wurde offenbar kein Frühstück serviert..."

    So beginnt der erste Teil eines der besten Fantasy Werke. "Otherland" von Tad Williams. Es geht um ein multidimensionales Universum, errichtet von den weltweit besten Programmierern um einer kleinen Gruppe von Wirtschaftsbossen die Unsterblichkeit zu ermöglichen. Das neuronale Netz in Perfektion - verborgen vor der Öffentlichkeit.

    Doch dann werden plötzlich immer mehr Kinder ein Opfer Otherlands, und eine Gruppe von betroffenen mit größerer oder kleinerer Erfahrung in virtuellen Netzen findet sich zusammen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Sie werden von einem Veteranen, der an diesem Netzwerk mit baute, kurz vor der völligen Abkapselung vom "normalen" Internet eingeschleust. Aber plötzlich sind sie selbst Gefangene, dazu verurteilt, im Netzwerk von Otherland umherzuirren, ständig bedroht von tödlichen Gefahren, unfähig, die virtuelle Welt zu verlassen.

    Sie haben nur eine Chance: sie müssen ins Zentrum von Otherland vordringen.
    Die Zeit wird knapp - schon hat die Gralsbruderschaft die Vorbereitungen abgeschlossen, bald wird das Netzwerk stehen, und dann wird es kein Entkommen mehr geben...

    Ich habe diese vier dicken Bände bereits mehr als zehn mal gelesen. Habe meinen Freundeskreis und viele Kollegen angesteckt bzw. gezwungen, dieses Meisterwerk zu lesen. Es ist definitiv die beste Mischung aus Fantasy, Science Fiction, Horror, Krimi, Märchen, Abenteuerroman und Cyberpunk (Sherlock Holmes, Chucky die Mörderpuppe, Frodo und Sam zu Gast bei Neo in der Matrix).

    ... Tolkiens Mittelerde steht nicht ohne Grund im Zentrum des Fantasy-Booms. Seit Erscheinen des Epos muss sich jeder Fantasy-Autor an der gigantischen Saga messen lassen. ... Seitdem haben viele versucht, den Thron zu stürmen und in den Olymp der High-Fantasy aufzusteigen. Doch nach echten Weltengründern mussten die Fans lange vergeblich suchen. Viele Geschichten kranken daran, dass sie von Tolkien-Epigonen verfasst sind, aber nichts wirklich Neues erschaffen. Fast ein halbes Jahrhundert hat es gedauert, bis ein Autor mit einer selbstständigen Weltschöpfungsidee aufwarten und den hungrigen Lesern ein eigenständiges Universum präsentieren konnte: "Otherland" von Tad Williams. Ein 3650 Seiten starkes Universum, das sich in kein bekanntes Schema pressen lässt, das seinem Autor aber dennoch den Titel Tolkien des 21. Jahrhunderts von der Literaturkritik eingebracht hat. (Quelle: www.buchwurm.info 12.08.2004)

    Und nun, Jahre nachdem ich aufgrund von Zeitmangel den Online-Rollenspielen abgeschworen habe, erfahre ich heute, dass dtp in Zusammenarbeit mit RealU Singapore 2010 Otherland als Massive Multiplayer Online Game veröffentlichen möchte.



    "...anstatt die Geschichte nur linear wiederzugeben, werden Spieler ihre eigenen Erfahrungen machen und eigene Geschichten innerhalb der Otherland-Universum erleben. Sie werden vielen der bekannten Charaktere aus den Büchern begegnen. Die Spielwelt um sie herum wird sich im Laufe des Spiels dynamisch verändern.


    Ausgehend von der Lobby Lambda Mall, das Zentrum für Entertainment, Meetings und Kommunikation, teleportiert der Spieler in eine Vielzahl von Spiel-Welten. Wie in den Büchern, ist virtuelle Realität ein zentrales Thema des Spiels. Nichts ist, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. Die futuristischen Visionen aus der Feder von Tad Williams spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Spiels.



    "Tad Williams besuchte uns während der Phase der Konzeption und war von Anfang an sehr aktiv an der Realisierung dieses Projekt beteiligt" kommentiert Andrew Carter von RealU. "Da es sich hier um ein MMOG handelt, wäre eine lineare Story nicht machbar. Daher mussten wir eine alternative Methode finden, die Geschichte zu erzählen. Ich denke, wir haben eine tolle Kombination von innovativer Erzählung und Treue zu den Büchern realisiert" so Carter weiter. (Quelle: AnandTech)

    Wenn ich mir die ersten Bilder so anschaue muss ich sagen, ich freue mich auf das was da kommt. Ich werde wohl meine Prinzipien über Board werfen und mir wohl oder übel 2010 einen MMOG Account zulegen...

    Möge Herr Sellars über mich wachen!


    Mittwoch, 1. Oktober 2008

    Soooo klein

    Es ist immer wieder erstaunlich, dass sich der Mensch für das Überwesen hält, wenn wir in Wirklichkeit soooo klein sind...