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    Montag, 15. September 2008

    Einen Puller wie Mama

    Phillip stellt Fragen. Viele Fragen.

    "Warum brennt Holz denn eigentlich?", "Warum läuft Phoebe so komisch und fällt immer um?", "Warum wird jetzt Herbst?", "Warum muss man von Zwiebeln pupsen?" Ebenso schnappt er Dinge auf und gibt sie ungefiltert, verhackstückelt oder zu einem unpassenden Augenblick an seine Umwelt zurück.

    Die oft daraus entstehende Situationskomik hat schon sehr oft meine Lachmuskeln beansprucht. Ich habe fast mein Essen über den Tisch geprustet, als Phillip einmal sagte: "Kannst du mir bitte noch etwas Somatentoße über meine Schkabettis gießen?" Was habe ich mich köstlich über den Gesichtsausdruck meiner Schwiegereltern amüsiert, als er bei einem Besuch von Oma und Opa am Kaffeetisch lautstark verkündete: "Phillip hat einen Pullermann, Hanna hat einen Busch."

    Die Mama von Phillips bester Freundin Hanna ist Hebamme. Wahrscheinlich gerade deshalb fällt es ihr nicht schwer, brisante Fragen kindgerecht zu beantworten. Schließlich lassen viele werdende Eltern ihr Gehirn vor dem Kreissaal. "Rationales Denken, du bleibst draußen!".

    "Busch" wäre bei einem solchen Gespräch zwischen Phil und mir definitiv nicht in die engere Begriffsauswahl gekommen. Um es mit den Worten von Dieter Bohlen zu kommentieren: "Busch, du klingst zwar ganz nett, aber 'nett' ist die kleine Schwester von 'scheiße'!"

    Aber wie führt man solche Gespräche mit kleinen Kindern? Warum ist alle Welt so spießig, wenn es um das Thema Sexualität geht? Jeder tut es, aber keiner redet darüber. Es ist schön, aber ein Tabu. Alle reagieren peinlich berührt, wenn ein Kind solche Fragen stellt. Die Geschlechtsteile heißen Penis und Vagina! Aber diese Verniedlichung, das Drumherumreden und das Schweigen muss wohl sein, in einer Zeit, in der man aufpassen muss, wem man erzählt, dass man Sonntag abend mit den Kids in der Badewanne war. Sonst kann ja offensichtlich schnell mal passieren, dass das Jugendamt wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs vor der Tür steht.

    Neulich bin ich über einen amüsanten Artikel in der Berliner Zeitung gestoßen, den ich all den geplagten Eltern nicht vorenthalten will.

    Einen Puller wie Mama

    Oft habe ich mir gewünscht, mich mit Anais mal richtig unterhalten zu können. Zwei Jahre lang habe nur ich gesprochen. Ich habe Dinge gesagt wie: "Na, da ist die Windel ja schon wieder voll. Ja, ganz voll ist die Windel." Oder: "Ja, da hat der Papa ganz leckere Nudeln gemacht. Lecker, lecker Nudeln." Manchmal hat Anais "Nudeln" gesagt, oder "Papa", aber mehr eben nicht.

    Das ist jetzt anders. Seit ein paar Monaten spricht Anais. In ganzen Sätzen, den ganzen Tag.

    "Papa, wenn ich groß bin, habe ich auch einen Puller, wie Mama."

    "Mama hat keinen Puller, weil Mama ein Mädchen ist wie du. Nur Jungen haben einen Puller.

    "Papa ist ein Junge."

    "Ja, Papa ist ein Junge."

    "Papa hat einen Puller, wie Mama."

    "Aber Mama hat doch keinen Puller.

    "Warum nicht?"

    "Weil Mama ein Mädchen ist."

    "Warum ist Mama ein Mädchen?"

    Schon wird es schwierig. Wie soll man einer Dreijährigen die Fortpflanzungslehre erklären? In unserem Erziehungsbuch steht, dass man Kinder nicht belügen darf. Man muss ihnen die Dinge immer so erklären, dass sie dem Alter angemessen verständlich werden.

    "Es gibt Babys, die haben einen Puller. Das sind die Jungen. Und es gibt Babys, die haben eine Muschi, das sind die Mädchen. Mama ist ein Mädchen."

    "Aber Mama ist kein Baby."

    "Nein, aber Mama war auch mal ein Baby, wie du."

    "Und wie Papa."

    "Ja, Papa war auch mal ein Baby, aber mit einem Puller."

    Am nächsten Morgen brachte ich Anais in den Kindergarten. Sie lief zu ihrer Gruppenleiterin Gabi und sagte: "Mein Papa hat einen Puller, wie Gabi." Gabi sah mich an, so wie sie mich sonst nur ansieht, wenn ich die Hausschuhe von Anais vergessen habe. Ich erklärte, dass wir über den Unterschied zwischen Jungen und Mädchen gesprochen haben. Gabi versuchte ein Lächeln. "Gabi ist ein Mädchen", sagte Anais. "Ja", sagte ich. Was sollte ich auch sagen? Dass Gabi keinen Puller hat? Die Situation drohte zu entgleisen. Ich verabschiedete mich schnell.

    Als ich Anais am nächsten Tag in die Kita brachte, rief mich Gabi zu sich. Sie sagte, dass Anais dem kleinen Mauritz mindestens dreimal am Puller gezogen hat. Vielleicht wollte sie sichergehen, dass er auch wirklich ein Junge ist. Wer weiß das schon. Gabi riet mir, bestimmte Gespräche einfach ein paar Jahre später zu führen. Sie berichtete von einer gewissen Unruhe in der Gruppe. Außerdem hätten sich die Eltern von Mauritz beschwert, weil der nun immerzu von seinem Puller spricht. Sie riet mir, bei heiklen Fragen einfach das Thema zu wechseln.

    Zwei Tage später fragte mich Anais, ob ich ein Junge bin. Ich versuchte, das Thema zu wechseln und sagte, dass es zum Abendbrot Fisch gibt. Anais fragte, ob Fische auch einen Puller haben. Ich dachte an Gabi. Und an den kleinen Mauritz. Ich hatte Angst.

    Donnerstag, 11. September 2008

    Post it!

    Was passiert, wenn Leute im Büro Langeweile haben? Klar, PostIts Experimente. Schade um die Zeit, aber verdammt gut gemacht!

    Spore

    Spore auf dem iPod Touch ist ja wohl der beste Zeitkiller für meinen 2-stündigen Weg zur Arbeit seit langem. Öm DS und PSP, ich glaube, ich lege euch erstmal beiseite. Danke EA.

    Mittwoch, 10. September 2008

    Screwed up

    Umzug letzten Samstag.
    Viel Schweiß, Muskelkater, insgesamt auf alle Beteiligten gerechnet bestimmt 10 Kilos verloren (ach komm René, rein optisch kaufe ich dir deine angeblich verlorenen 1,8 kg einfach nicht ab :-P) und, nachdem wir schon Stunden schweißüberströmt und dehydriert die riesigen Steinquader (oder waren es doch Kartons?) für die neue Cheops Rettsch-Pyramide auf unseren peingebeugten Rücken trugen, eindeutig zu wenig Bier (O-Ton Sklaventreiber Bauleiter: "So Jungens und Mädels, ich konfisziere mal die Kästen hier. Wenn auch noch Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner und Kühlschrank im zweiten Obergeschoss dieses herrlich hochraumigen Altbaus stehen, sehen wir weiter!". Sprach's und postierte sich peitscheschwingend am Ort des Grauens.).

    Dafür wurden wir aber mit richtig leckerem chinesischen Essen entschädigt (vielen Dank an Restaurant Bambus und sorry, dass wir kein gebackenes Obst als Nachtisch mehr geschafft haben, aber das Essen war für "all you can eat" einfach zuuuu lecker).

    Gestern also die Fortsetzung.
    Offiziell um die restlichen Schränke aufzubauen, in Wirklichkeit um dem Schlechtwerden des zwangsweise übrig gebliebenen Becks Vorrats durch gnadenlose Vernichtung zuvorzukommen. Ergebnis: Bierbestand dezimiert, lecker Schawarma vertilgt, aber nur einen Schrank aufgebaut. Die benötigten Schrauben waren nicht auffindbar.

    Quintessenz:
    Ziehst du um in großem Stil,
    braucht es dafür meist nicht viel.
    Gute Freunde, einen Laster,
    für entsprechend Becks den Zaster.

    Gute Nerven, eine Frau,
    die, was du brauchst, kennt sehr genau.
    10.000 Kisten, Klebeband,
    um zu verstauen allerhand.

    Doch wie sich gestern klar bewies,
    lieber Dirk, merke dir dies:
    Die Schrauben lege nicht weit fort,
    bewahr' sie an 'nem sich'ren Ort.

    Sonst suchst du später, weil vergessen,
    derweil deine Kumpels essen,
    trinken, dumme Witze reißen.
    Den Vorrat Schokobons verschleißen.

    Du bist entmutigt, resigniert,
    Weil heut' wohl nicht mehr viel passiert.
    Verzweiflung bringt dich fast ins Grab.
    Und kurzer Hand bist du screwed up!

    Aber trotzdem danke für die Bewirtung :-)