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    Dienstag, 26. Januar 2016

    Die böse Religion

    Von überall schallt es her. Das Trompetengeheul der Ressentiments. "Die bösen PEGIDA-Mitläufer sind eine Schande für Deutschland! Die sind alle rechts!", "Der linksextreme Pöbel hat sich wieder einmal als randalierender und prügelnder Mob erwiesen! Die wollen die Anarchie!", "Die Rechten fordern schon wieder kontrollierte Einwanderung und Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit! Verstehste? RECHTSstaatlichkeit" und letztendlich "Fast ausschließlich alle Terroranschläge gehen auf das Konto des Islam, nahezu immer waren es Muslime, wenn außenstehende Gruppen das Leben von zivilen Opfern auslöschten!". Man kann gar nicht so viel Lauge schlucken, wie der Magen hochtourig Säure produziert. Auch die Galle wird täglich zu neuen Höchstleistungen angespornt. Sind wir als Gesamtheit wirklich immer noch so dumm? Funktioniert das Prinzip von "Divide et impera" selbst heute noch? Lassen wir uns immer noch gegeneinander aufhetzen um uns nicht mit den wichtigen Dingen beschäftigen zu können? Lassen wir uns wirklich immer noch so leicht von allen Seiten beeinflussen? Warum hat inzwischen in Zeiten der weltweiten Informationsvernetzung nicht auch der Letzte begriffen, dass das hier alles Taschenspielertricks sind? Wir werden bis hin zu Krieg und Vernichtung abgelenkt, um unsere Gedanken nicht in die richtige Richtung zu lenken. Das funktioniert mit Religionskriegen am Einfachsten. Am Besten mit Religionen in Staaten, in denen noch keine humanistische Aufklärung stattgefunden hat und in denen Staat und Religion nicht getrennt sind. Also sind doch die Religionen Schuld? Mitnichten.

    Das Problem ist keineswegs die Religion. Das Problem ist die Radikalisierung durch Unwissenheit. Und wenn Sie sich in den letzten Jahrhunderten umsehen, funktioniert es immer und immer wieder. Man hetzt Volksgruppen durch Halbwahrheiten, Propaganda, Ressentiments gegeneinander auf und erfreut sich an der herrlich sinnlosen Gewalt um selbst weiter unerkannt im Hintergrund zu agieren. Das war bei den Urvölkern so, im Mittelalter, während der Christianisierung des Abendlandes, zu Zeiten von Revolutionen und Aufklärung, sowie in allen religiösen Kriegen. Genau so läuft es auch seit langer, langer Zeit bei den moslemischen Staaten. Nicht die Religion an sich ist schlecht, sondern die Menschen, die sie nutzen um zu radikalisieren zu hetzen und zu diffamieren. 

    Nichts unterstützt den Schäfer mehr, als bei seinen Schafen die Angst vor dem Wolf schüren, schreckliche Geschichten zu erzählen und der Herde eine sichere Koppel anzubieten. Nicht ein Schaf wird sich außerhalb des Zaunes stellen wollen. Und wenn mal ein Schaf aufmuckt, lässt man schon mal den als Wolf getarnten Schäferhund am Rande der Koppel auftauchen und ein schreckliches Geheul anstoßen. Der Schäferhund fühlt sich gar nicht wohl in seiner Rolle. Doch nach langem Zureden, welche Vorteile für den Hund entstünden, waren dessen Vorbehalte wegmanipuliert. Wenn man jetzt noch was von abtrünnigen, aufbegehrenden Schafen erzählt, die einem selbst den gefüllten Napf riskieren, weil sie aufmucken, macht das Heulen gleich doppelt Spaß! "Wahooooooooooooooo!" BÄMM! Stehen die Schafe wieder zitternd an ihrem überdachten Trog und mampfen ängstlich ihr minderwertiges Stroh. Werden sie unzufriedener und rotten sich zusammen, durchtrennt man schon mal ein Zaunfeld und lässt den Schäferhund zwei, drei Schafe richten und die Masse steht wieder am Trog und mümmelt ängstlich das minderwertige Stroh. Eines Tages fällt einem der Schafe auf, dass der Schäferhund so riecht, wie der angebliche Wolf der erst neulich wieder ein halbes Dutzend Schafe gerissen hat. Die Schafsmeute stürzt sich auf den Hund und unter großen Verlusten aber mit der aufgestauten Wut des Mobs wird der Hund bestialisch zu Tode geprügelt. Die Schafe fühlen sich großartig haben sie doch Gerechtigkeit erfahren und die Freiheit hat gesiegt! Der Schäfer jedoch macht jede Menge Profit mit dem Verkauf von Wurst und Fleisch und kauft sich einen neuen Schäferhund zum Abrichten. Nie war Ernten mit so wenig Aufwand verbunden!

    Es ist so einfach, ein dummgehaltenes, manipuliertes Volk zu ängstigen um den Lauf der Geschichte so zu lenken, wie man sich das wünscht. Man kann wohl guten Gewissens sagen, dass NICHTS auf dieser Welt einfach so passiert. Nicht ein Krieg, der nicht durch Zuwirken von Außenstehenden beeinflusst wird, nicht ein Umsturz, wo nicht die eine oder andere außenstehende Minderheit den größten Vorteil aus der Situation zieht, nicht ein Volk, das freiheitlich die Geschicke seines Landes lenken darf. Kollateralschäden sind notwendig. Überall dazwischen der nutznießende Lobbyist der die Geschicke und das Unheil der Länder im Auftrag von Großindustriellen, Medienmogulen, Waffenproduzenten und Finanzadel steuert. Selbst wir in unserer ach so demokratischen Union verhängen Sanktionen über ein Mitgliedsland, wenn uns die demokratisch legitimierte Wahl des Volkes nicht passt! Es wird geputscht und intrigiert. Kabale und Liebe im 21. Jahrhundert. Was sag ich, seit Anbeginn der Menschheit. Wenn man sich länger damit beschäftigt lässt es nur einen Schluss zu: Folgen Sie der Spur des Geldes und der Macht. Verfolgen Sie die Spur der Nutznießer und Befehlsketten nach oben zur Spitze der Pyramide. Stellen Sie sich stets die Frage "Qui bono - wer profitiert davon?". Und natürlich auch "Wer profitiert von den Profiteuren"... Es ist mühsam, es ist zeitintensiv, es ist aufreibend, aber vertrauen Sie nie ungefiltert nur einer Quelle! 

    Gott hat uns die Fähigkeiten der Kommunikation und des logischen Denkens geschenkt. Hinterfragen Sie, hören Sie sich beide Seiten an, wägen Sie ab und lassen Sie sich nicht in ihren logischen Meinungsfindungen beeinflussen, nur weil jemand "linksrechtsmittelislamkatholisches Gedankengut" brüllt. Lassen Sie sich nicht radikalisieren! Werden Sie wissend! In jeder Religion schuf Gott den Menschen nach seinem Vorbild. Gott steckt also in JEDEM von uns. Auch in dem Atheisten, wie ich einer bin, da - wenn Gott in mir steckt - auch meine Entscheidung an Wissenschaft, Naturgesetze, Liebe und Empathie zu glauben göttlich ist. Es ist auch göttlich, zu Hinterfragen und mich der Werkzeuge zu bedienen, die mir Gott gegeben hat. Warum also nicht auch das komplette Repertoire an Werkzeugen nutzen anstatt immer nur den Hammer? Für Feinarbeiten und Ästhetik ist ein Hammer ungeeignet. Und innere Ästhetik ist definitiv göttlich. Auch nach religiösen Lehren. Die reine menschliche Seele ist angeblich unsterblich und wird zu Gott zurückgeführt. Sollen wir diesen Gott immer ungerechter und rachsüchtiger werden lassen, weil wir durch unsere schlechten hausmeisterischen Fähigkeiten diese Seelen verdummen lassen und ihnen die Empathie entziehen? Das ist göttlich? 

    Kommen wir also zur logischen Schlussfolgerung des Ganzen. Es ist keine Religion, die diese schlimmen Dinge auf dieser Erde geschehen lässt. Es sind die dummen ungebildeten Menschen, die sich radikalisieren lassen. Also nochmal die Bitte: Lassen Sie sich nicht radikalisieren! Alle quatschen ungefiltert nach und tragen somit zur Radikalisierung bei. Jedoch tunnelt Radikalisierung den Blick. Verschiebt den Fokus auf das Unwesentliche und lässt und trotz laut gerufener Parole immer und immer wieder vergessen, dass wir wirklich die 99% sind. Wir alle sind das Volk! Auf allen Kontinenten, in allen Staaten! Wir alle sind Gott! Warum lassen wir uns also immer noch gegeneinander aufhetzen, obwohl wir 99% so Unglaubliches vollbringen könnten? Gemeinsam, nicht gegeneinander! Wir alle sind Gott und das Ablegen von schlechten Gewohnheiten eines Gottes ist immer zu begrüßen. Die seelische, moralische, humanistische und somit göttliche Bildung hat Vorrang! Und wenn das restliche Prozent für eine demokratische Mehrheit von 99% geopfert werden muss, quasi als schlechte Gewohnheit abgewöhnt werden muss, dann darf das eindeutig als "Zum Wohle der gesamten Menschheit und somit Gottheit" bezeichnet werden! 




    Ein kleiner Tipp am Ende: Sollten Sie aufgrund Ihrer Recherchen, Gespräche und Schlussfolgerungen zu Erkenntnis gelangt sein, qui bono? - erzählen Sie es nie zu laut! Ich heiße Sie dann im Club der "Verschwörungstheoretiker" willkommen.

    Sonntag, 13. Dezember 2015

    Wir retten das Klima, hurra!

    Wow, klasse, prima, toll!!! Wir sind die Besten! Ehrlich! Wir – knapp 200 Unterzeichner des Weltklimavertrages - retten die Welt! Da haben wir mit unseren Gefolgen etwas wirklich Großes vollbracht!

    Ein Vertrag soll es sein, ratifiziert von den meisten Nationen dieser Erde. Und was beinhaltet er? Die Lösung aller Probleme? Eine gemeinsame Strategie für die nächsten Jahrzehnte, um die Fehler zu beseitigen, die unseren Lebensraum nachhaltig zugrunde richten und zerstören? Werden Wege aufgezeigt, wie die komplette Gemeinschaft der Menschen der Ursache aller Zerstörung zu Leibe rücken kann? Mitnichten.

    Das Ganze ist eine Farce um nur davon abzulenken, wie abgefuckt eigentlich alles ist. Wir retten weder Natur noch Menschheit. Wir sind eine Rasse von empathielosen, konsumgeilen Vollidioten geworden. Solange  wir nicht diesem Hirngespinst des grenzenlosen Wachstums und Konsums abschwören, wird nix gut. Weder mit der Natur noch im Zwischenmenschlichen. Es ist so armselig, wie wir uns von ein paar tausend Möchtegernpolitikern und deren Lobbyismuspolitik das Leben auf diesem wunderschönen Planeten kaputtmachen lassen und sich dieser Haufen an wahrhaftigen Lumpen für seine "Leistung" weltweit mal wieder medial auf die Schulter klopfen lassen kann. Der Medienfasching ist ein weiteres Mal in vollem Gange.

    Letztendlich gibt es nun ein wertloses Pamphlet, welches nicht die Tinte auf dem Papier wert ist. Die Weltgemeinschaft möchte die Erwärmung deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts halten (ein Grad ist allerdings bereits erreicht). Wie diese Begrenzung erreicht werden soll, findet sich nirgends in diesem Papier. Stattdessen lesen sich viele Punkte wie ein weiteres Kapitel der Gewinnmaximierung durch das Geschäft mit dem Klima.

    In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts - sprich erst in über dreißig Jahren - soll ein Gleichgewicht erreicht werden zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und deren Absorption - beispielsweise durch Meere und Wälder, oder durch technische Mittel wie CO2-Verklappung. Die Formulierung lässt so weitreichende Spielräume, weiterhin Kohle, Öl und Gas auszustoßen - man muss sie halt nur irgendwie neutralisieren. Schärfere Formulierungen, wie Dekarbonisierung oder Nullemissionen oder auch nur Emissionsneutralität wurden insbesondere von den Erdölstaaten, Indien und einigen wenigen anderen verhindert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

    Es sollen durch die unterzeichnenden Staaten Maßnahmen getroffen werden, um Risiken abzufedern, die bei zwei Grad Erwärmung zu erwarten sind. Welche Maßnahmen das konkret sein sollen findet sich auf keiner dieser Seiten. Was in erster Sekunde euphorisch stimmt, ist das Anerkennen der Staaten Bedeutung von Verlusten und Schäden, die durch den Klimawandel entstanden sind. Besonders Wissenschaftler geben den alten Industriestaaten die Hauptverantwortung für die Erwärmung. Diese Staaten, allen voran die USA, haben aber einen für sie entscheidenden Satz in den Vertrag verhandelt: Rechtliche Ansprüche sollen deshalb nicht erwachsen können - was interessiert mich mein Handeln von gestern?

    Die Staaten haben sich verpflichtet, das Thema Schäden und Verluste auf ihre Agenda zu nehmen: Es wird das Hauptthema der Uno-Klimakonferenz in einem Jahr, Arbeitsgruppen sollen weitere Projekte erarbeiten. Wie möglicher Ausgleich aussehen könnte, zeigte sich auf der Pariser Tagung. Von reichen Ländern angeschobene Unwetterversicherungen, könnten ein Teil der Lösung sein. Für schleichende Veränderungen wie steigende Meeresspiegel, schwindendes Trinkwasser oder vermehrte Dürre bieten Versicherungen allerdings keinen Ausgleich, schließlich würde dieses Geld bei den am schlimmsten vom Klimawandel betroffenen Regionen landen.

    Ebenso werden im Klimavertrag diverse Maßnahmen benannt, bei denen vom Klimawandel betroffene Länder Unterstützung erfahren sollen. Unter anderem sind das neue Arten der Energieversorgung und Frühwarnsysteme für Naturereignisse. Natürlich wird ein Großteil dieser Investitionen nicht im Zuge von Entschädigung oder Entwicklungshilfe geleistet. Die westliche Industrie wird sich selbstverständlich am Kuchen dieses Geschäftsfeldes satt fressen. Im zweiten Teil des Gipfelbeschlusses, dem die Staatschefs nicht zustimmen müssen, geht es um die Zeit vor 2020. Dort wird konstatiert, dass private Akteure und Gemeinden kurzfristig aktiv werden sollten in Sachen Klimaschutz.

    100 Milliarden Dollar pro Jahr sollen die alten Industriestaaten ab 2020 zur Verfügung stellen, um vom Klimawandel bedrohte Regionen abzusichern und ihre Energieversorgung umzustellen. Dieses bereits vor sechs Jahren beschlossene Vorhaben wurde in letzter Minute aus dem rechtlich bindenden Teil des Klimavertrags in den unverbindlicheren zweiten Teil des Gipfelbeschlusses verschoben. Durch diesen Trick, muss das Thema nicht vom Kongress der USA abgesegnet werden. Außerdem sind Befürchtungen, einen heiklen juristischen Präzedenzfall zu schaffen, damit obsolet. Wie durchaus clever und perfide, aber wieder ein Beleg dafür, dass die Industriestaaten der ersten Welt eigentlich erstmal so weiter machen wollen, wie bisher.

    Die Staaten haben zudem vereinbart, dass die Vereinten Nationen Buch führen über alle Hilfsmaßnahmen. Die reicheren Länder sollen armen Staaten zudem mit dem Austausch moderner Technologie und Wissen helfen. Sollte dies wirklich durchgesetzt werden, wäre das vermutlich der erste Schritt, der wirklich dazu beitragen würde, zumindest die Auswirkungen auf die zweite und dritte Welt zu kompensieren. Nicht mehr und nicht weniger.

    Wie halbherzig dieses "gemeinschaftliche" Zusammenwirken zum Schutz des Klimas wirklich ist, zeigt, dass zwar festgelegt wurde, dass für alle Länder gleiche Standards bei der Berichterstattung über ihren Treibhausgasausstoß gelten sollen, strenge Kontrollpflichten aber nicht auferlegt wurden. Viele Staaten weigerten sich, sie fürchteten Eingriffe in ihre staatliche Hoheit. Also darf auch weiterhin keiner Statistik getraut werden, die man nicht selber gefälscht hat. Wie bei allen anderen UN-Konferenzen bleibt man unverbindlich, vage, schwammig definiert. Der Klimavertrag gilt ab 2020, wenn das erfolglose Kyoto-Protokoll ausläuft. Um die Ziele dieses Klimavertrags erfüllen zu können, müsste der Klimaschutz nach Ansicht von Wissenschaftlern allerdings sofort verschärft werden.

    Präsident Barack Obama sagte, der Vertrag sei die „beste Chance, den einen Planeten zu retten, den wir haben“. Das amerikanische Volk könne stolz sein, sagte er in Washington. „In den vergangenen sieben Jahren haben wir die Vereinigten Staaten zum weltweiten Vorreiter im Kampf gegen die Klimaveränderung umgewandelt.“ Das Ergebnis sei „ein Tribut an die amerikanischen Führungsqualitäten“. Außenminister John Kerry sprach vor Ort in Paris von „einem Sieg für den ganzen Planeten und zukünftigen Generationen.“ Er fügte hinzu, das Abkommen werde eine „Botschaft an die internationalen Märkte“ senden. Investoren würden nun verstärkt auf erneuerbare Energien setzen. Und genau da zeigt sich, was von diesem Pamphlet wirklich zu halten ist:

    ·         Versicherungen, die die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels in den am schlimmsten betroffenen Regionen nicht kompensieren, also eher den reichen Industriestaaten zugutekommen
    ·         Das Erschließen neuer Märkte für die kapitalistische Energiewirtschaft
    ·         Weiteres kolonial anmutendes Ausbeuten der Bodenschätze der Dritten Welt ohne Rücksicht auf Verschmutzung und Folgeschäden (man recherchiere nur mal die Uranförderung Frankreichs in Mali, wo ja jetzt auch unsere Freiheit verteidigt wird)
    ·         Keine Abkehr von Krieg und Zerstörung durch die NATO-Staaten in Afrika und im Nahen und Mittleren Osten
    ·         TTIP kommt nach Europa und mit ihm Monsanto mit seiner chemisch und genetisch optimierten „sauberen“ Landwirtschaft

    Das ganze Tamtam um diesen Vertrag folgt mal wieder der "Brot und Spiele"-Strategie. Die Scheinwerfer richten sich auf freudentränennasse Gesichter der politischen Haute Couture, die zeigen, "wir haben es geschafft", während alles so weiter laufen wird, wie bisher. Alles nur Heuchelei und Lügen ohne Ende. Die Umweltzerstörung wir niemals anhalten, solange der Kapitalismus sich weiter ausbreitet. Die mächtigsten Firmen der Welt sind im Öl und Gasgeschäft tätig, die werden nicht zulassen, dass die erneuerbaren Energien sich weltweit etablieren, bevor die Kuh der fossilen Brennstoffe nicht vollständig gemolken wurde. Es ist eine Beruhigungspille für das Pack und die Menschen zweiter Klasse in den äquatornahen Regionen. Die wollen nur spielen und meinen es nicht wirklich ernst. Würden sie es ernst meinen, gäbe es in diesem Vertrag (ebenso wie im Kyoto-Protokoll verbindliche Minderungsverpflichtungen und nicht nur freiwillige Zusagen.

    Müsste ich einen Klimavertrag aufsetzen, der wirklich und nachhaltig diesen Planeten schützen sollte, würde er wie folgt aussehen:

    Zentrierung der Wirtschaft
    Das größte Problem der globalisierten Industrie und Landwirtschaft ist der Fokus auf Gewinnmaximierung. Sind Arbeitskräfte in anderen Ländern billiger, nehme ich meine halb fertigen Produkte und kutschiere sie tausende von Kilometern durch die Weltgeschichte, da das immer noch Kosten einspart und ich den einen oder anderen Cent einspare. Herstellungsketten müssten optimiert und zusammengelegt werden, sodass der Produktionszyklus an einem Standort komplett autark laufen kann.

    Förderung der nachhaltigen Land-, Forst- und Wasserwirtschaft
    Schon mal darüber nachgedacht, dass in der Lebensmittelindustrie dermaßen viele Treibhausgase produziert werden? Allein die Massentierhaltung produziert einen enormen Anteil. Hinzu kommen die unzähligen weltweiten Transporte von „temperatursensiblen Gütern“ via Flugzeug und Schiff. Wie kann es sein, dass Produktion und Transport von beispielsweise Prinzessbohnen aus Südamerika preiswerter sind, als vom Bauern nebenan? Warum lasse ich Zitrusfrüchte mehrfach um den Globus reisen damit sie auch noch im letzten Supermarkt zu haben sind? Es muss eine weltweite Förderung der alternativen, regenerativen, nachhaltigen Landwirtschaft erfolgen und jegliche Massentierhaltung, genetische Veränderung und Lizensierung von Saatgut verboten werden. Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel gehören weltweit verboten. Des Weiteren müsste ein Importverbot von nicht regionalen Lebensmitteln, Blumen, etc. verankert werden, da der weltweite Transport dieser Güter mehr als nur einen ökologischen Fußabtritt hinterlässt.

    Der Holzhunger der Welt muss optimal kompensiert werden. Das Abholzen von Urwäldern muss weltweit geahndet und bestraft werden. Industrielle Nutzung von Holz darf nur noch aus industriell bewirtschafteten Flächen ermöglicht werden. Die bisherigen Schäden an unserer grünen Lunge müssen auch bzw. besonders durch finanzielle Mittel der Industriestaaten durch Aufforstung repariert werden.

    Das Fördern von Trinkwasser zur Weiterverarbeitung und den Verkauf in Industriestaaten darf nicht mehr in dürregefährdeten Gebieten und Dritte-Welt-Länder erfolgen. Das Verschmutzen des Wasserkreislaufs ist mit hohen Strafen zu sanktionieren.

    Förderung der weltweiten schnellen Vernetzung
    Allein der Tross, der zur gerade beendeten Klimakonferenz angereist ist, hat Unmengen an Schadstoffen produziert. War es in Zeiten von Internet und Videotelefonie nötig, diese Masse an Politikern von allen Winkeln der Erde an einem Ort zu zentrieren? Flugzeuge, Limousinen, Polizei-Eskorten, ein großer organisatorischer Aufwand für Verpflegung und Unterkunft der Teilnehmer. All das ist nötig, um ein solches Event gebührend feiern zu können. Um solche Massen zukünftig an einen Tisch zu bekommen wäre ein virtueller Tisch wesentlich klimaneutraler. Also Ausbau der Bandbreiten weltweit und Vernetzung aller Länder dieser Erde. Denn auch Geschäftsreisen – die ein Gros des Flugverkehrs darstellen – wären unnötig. So kommen wir so auch zur

    Begrenzung des Flugverkehrs und des Massentourismus‘ im Allgemeinen
    Das Fliegen sollte also auf ein nötiges Minimum reduziert werden. Tourismusflüge und Kreuzfahrten sollen für jedes Land - wenn schon nicht verboten – zumindest kontingentiert werden und bei Überschreitung finanziell empfindlich geahndet werden. Geschäftsreisen sollten nur noch möglich sein, wenn Videokonferenzen oder Remotezugriffe technisch nicht möglich sind.

    Eindämmen und Sanktionieren der weltweiten kriegerischen Handlungen
    Wenn man sich allein anschaut, was der Militärapparat weltweit an Schadstoffen abgibt - von atomar verseuchter Munition mal ganz abgesehen - ist das doch eigentlich der größte Batzen, der - würde er sanktioniert - einen Großteil der Treibhausgas-Emissionen reduzieren würde. Die Rüstungsindustrie ist durch ihren schwerindustriellen Charakter ebenfalls ein Klimakiller erster Güte. Eine Einführung eines weltweit anerkannten Gremiums zum Ahnden von Kriegen ist ebenso Pflicht, wie der allgemeine Konsens, dass Kriege von keiner zivilisierten Gesellschaft ein Mittel der Interessen- und Rohstoffverteidigung sein sollte. So löst sich übrigens auch ganz einfach das weltweite Terrorismus-Problem.

    Forschung für Ölalternativen
    Kümmert sich irgendwer um die Auswirkungen der gesamten Ölindustrie auf das Klima dieser Welt? Natürlich nicht. Die Zerstörung der Umwelt durch Förderung, Raffinierung, Weiterverarbeitung und Nutzung von Ölprodukten ist ebenfalls einer der Klimakiller. Findet sich doch das Öl in nahezu jedem Produkt, welches Ausdruck der westlichen Zivilisation ist, sei es das Smartphone, die Playstation, der Fernseher, die Einkaufstüte, die Verpackungen, die Gesichtscreme usw. usf. Die Meere und die daraus resultierende Nahrungskette sind verseucht von Plastikpartikeln bis in den Mikropartikelbereich. Leidtragend sind wir alle, aber in erster Linie wieder mal die Ärmsten der Armen, doch auch an uns „entwickelten“ Völkern wird diese Verschmutzung nicht vorübergehen.

    Last but not least

    Bevölkerungsreduzierung und Systemwechsel
    Ich weiß, das klingt jetzt nach „Neuer Weltordnung“, aber ein weiterer Stolperstein beim Klimaschutz ist die zu hohe Population der Menschheit und die sich immer weiter forcierte Ausbreitung des Kapitalismus. Ein wirklich nachhaltiger Klimaschutz funktioniert nur, wenn der Ressourcenhunger der Spezies Mensch eingedampft wird. Dies funktioniert allerdings nur beschränkt. Zum einen wegen des Gesellschaftssystems des globalisierten Finanzkapitalismus‘ der auf Gewinnmaximierung, Konsum und Ausbeutung fußt, zum anderen wegen der inzwischen 7 Mrd. Menschen auf diesem Planeten. Die Menschheit wächst exponentiell. Um hier nachhaltig beeinflussen zu können wäre eine Durchsetzung der weltweiten Ein-Kind-Politik für mehrere Generationen vonnöten, um diese Tendenz zu beeinflussen. Wir sind nun mal das Virus für diesen Planeten. Hier stellt sich jedoch die Frage der humanistischen Umsetzbarkeit, die sich mir auf den ersten Blick nicht wirklich offenbart.

    Fazit
    Was dieser Planet braucht, ist ein Leben des Menschen im Einklang mit dem selbigen. Ich spreche jetzt nicht von der Rückkehr zu Naturvölkern, aber die Menschheit muss nachhaltig, ressourcenschonend und nicht auf Gewinn ausgerichtet sein. Die technischen und finanziellen Mittel haben wir. Allerdings fehlt einzig und allein der Wille, wirklich länderübergreifend etwas für den Klimaschutz zu tun. Was bleibt also als Möglichkeit für den Einzelnen?

    Es wird morgen das geben, was wir heute tun, so einfach ist das mit der Zukunftsdeutung. Wenn nichts getan wird, passiert nichts. Das liegt selten in unseren Händen. Aber wir können diejenigen stärken, die nachhaltige Methoden nutzen, und diejenigen schwächen oder überzeugen anders zu handeln, die wir nicht gut finden. Gerade als Konsument in unserem Gesellschaftssystem haben wir die Macht. Das ist komplex und schwierig, aber es verliert der, der nichts tut. Das immer so gewesen und wird immer so sein. Und ich glaube, dass nur auf Ängste setzen eher lähmt und Hoffnungen geben Mut machen und Veränderungen bewirken kann. Guckt morgen in den Spiegel und fragt euch, was IHR gemacht habt!


    Das sind existentielle Probleme. Steuern sind dagegen so unwichtig wie die sogenannte Flüchtlingskrise. Banalitäten im Weltenwandel, Ziffern im kapitalistischen Weltbild. Kümmert euch um wirklich wichtige Dinge! Lebt, liebt, hegt und vor allem DENKT! Lauft nicht irgendwelchen Demagogen hinterher, die noch machtgeiler sind als die regierende Elite. Die Kriege um Ressourcen führen, die ihren Gewinn weiter mehren und dafür verbrannte Erde und tote Menschen hinterlassen. Schaut in die Vergangenheit und ihr kennt die Zukunft. 





    Freitag, 4. Dezember 2015

    Denkanstoß

    Strafgesetzbuch
    Besonderer Teil (§§ 80 - 358)    

    1. Abschnitt - Friedensverrat, Hochverrat und Gefährdung des demokratischen Rechtsstaates (§§ 80 - 92b)    

    § 80
    Vorbereitung eines Angriffskrieges

    Wer einen Angriffskrieg (Artikel 26 Abs. 1 des Grundgesetzes), an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sein soll, vorbereitet und dadurch die Gefahr eines Krieges für die Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft.

    Syrian Rhapsody

    Der Kreis der Gewalt
    Ich wurde humanistisch erzogen. Literarisch, musikalisch, moralisch. Daher gilt für mich als liebender Vater das Credo: Schlage niemals dein Kind. Ich bin meinen Kindern körperlich und geistig überlegen. Sie zu schlagen wäre die Bankrotterklärung meines Geistes. Dem Mittel der Gewalt geht der Verlust der moralischen und intellektuellen Stärke voraus, vereinfacht gesagt, mir gehen die Argumente aus. Und welchen Sinn hätte es, die Hand gegen ein schwächeres Wesen zu erheben? Führt es zur Lösung des Problems? Treibt es die geistige und moralische Entwicklung des Unterlegenen voran? Mitnichten. Das schlimme an Gewalt ist, dass sie Probleme nicht löst sondern den Schwächeren nur zeigt: mit Stärke und Gewalt bekommst du am Ende deinen Willen. Man kann diese Erkenntnisse eigentlich auf so ziemlich alle kriegerischen Vorgänge der Weltgeschichte adaptieren. 

    Sicherlich kamen die meisten großen Umstürze immer mit ausufernder Gewalt einher, aber es war letztendlich immer die Gewalt des einfachen Volkes gegen die Herrschaftskaste, die diese Umwälzungen hervorbrachten. Wenn die Herrschenden einen Verlust vom Empathie, Verständnis und Menschlichkeit aufwiesen, wenn sie das Volk unterdrückten und ausbeuteten, welche Wahl hatte das Volk schon? Es lehnte sich schließlich gegen die jeweiligen Herrscher auf und griff zu Steinen, Mistgabeln, Guillotinen. Durch Revolutionen und Stürze der Herrscher wurden neue Zeitalter hevorgebracht, die dem einfachen Volk fast immer bessere und friedvollere Zeiten brachten. Umgekehrt brachte die Gewalt von Herrschenden gegen ihre Untertanen oder gegen scheinbar unentwickelte Nachbarn immer nur mehr Gewalt, Unterdrückung und Leid hervor. Was wiederum zur Radikalisierung des Volkes führte und es sich schließlich gegen seinen Lehnsherren auflehnte. Ein Kreis, der sich seit Beginn der Menschheit immer wieder schließt. Doch der Krieg in Syrien ist eben nicht die Revolution der Schwächeren gegen ihren Lehnsherren sondern eine Eskalation des Stärkeren gegenüber dem Schutzbedürftigen, schließlich stellt der IS nur einen extrem kleinen Teil der syrischen Bevölkerung dar.

    Kriegseinsatz der Bundeswehr deckt sich mit Völkerrecht???
    Heute stimmt der Bundesrat also über den Einsatz der Bundeswehr in Syrien ab und das Ergebnis steht längst fest. Die überwiegende Mehrheit von CDU und SPD entscheidet - wie immer - nicht nach dem Willen des Volkes und wird dem Einsatz zustimmen. Ein Großteil der Grünen sowie die gesamte Linke wird dagegen stimmen. Nur reicht das bei Weitem nicht um diese nächste große Fehlentscheidung zu verhindern. Damit kann die Bundesregierung sagen, nicht untätig geblieben zu sein. Ist ja schon mal was. Die Minister stimmen fröhlich in die Kriegsrhetorik der westlichen Demokratien ein. Flinten-Uschi darf endlich Krieg spielen und bekommt das dämonische Grinsen kaum noch aus dem Gesicht. Nur scheint unsere Regierung eines immer noch nicht begriffen zu haben: Der Einsatz der Bundeswehr in Syrien wird keinen Frieden bringen. Wann immer der Westen in den letzten Jahrzehnten interveniert hat, ist es zu jahrelangen Verwüstungen bekommen, gab es enorme Kollateralschäden, waren es zum Großteil Zivilisten, die durch diese Interventionen unsägliches Leid ertragen mussten. Mit jedem Schuss und mit jeder Lüge wird neuer Hass gesät. Am Ende kann niemand mehr vermitteln. 
    Denn Waffen sprechen nicht, sie töten.

    Schaut man sich die Radikalisierung des Islam an, zeigt sich immer wieder, dass jede einzelne Bombe, jede abgefeuerte Kugel und jedes Verhalten jenseits von Humanität und Rechtstaatlichkeit den Hass auf den Westen vergrößern wird. Ein Blick auf die Staaten im Nahen Osten, in die Amerika bereits seine Vorstellung von Frieden und Demokratie exportiert hat, lässt erkennen, dass man diese Form von Demokratie einfach hassen muss. Unter fadenscheinigen Begründungen wurden ganze Landstriche verwüstet, verbrannte Erde hinterlassen und ganze Kulturvölker wieder in die Barbarei gebombt. Und eine Demokratisierung von Afghanistan und Irak kann ich nichts erkennen. Man hat sich eine weitere Generation von Terroristen gezüchtet, an denen man durch Kriegsspielzeuge wieder mächtig verdienen kann, wenn man das nächste mal einrücken muss um die westlichen "Werte" zu vermitteln.

    Die Arroganz mit der die westlichen Regierungen selbstherrlich entscheiden, in den syrischen Luftraum einzudringen und Bombenangriffe durchzuführen, ist ein massiver Bruch des internationalen Rechts und eine Verletzung der Souveränität Syriens. Es gibt auch kein UN-Mandat für diese Handlungen. Laut Völkerrecht und UN-Charta, ist ein kriegerischer Akt, und um das handelt es sich hier, ausschliesslich mit einem Beschluss des UN-Sicherheitsrates erlaubt. Oder, wenn die legitime Regierung eine Einladung ausspricht. Dass Assad von vielen westlichen Staaten nicht als legitimer Souverän angesehen wird, spielt bei diesen Betrachtungen schlichtweg keine Rolle. Auch wenn unser Justizminister Maas der Meinung ist, dass hier (wieder einmal - wie in Afghanistan?) alles rechtens sei. So sagte er dem Tagesspiegel: "Die Deutschen können sicher sein: Der Syrien-Einsatz der Bundeswehr verstößt weder gegen das Völkerrecht noch gegen das Grundgesetz". Begründen tut er den Bullshit mit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1994, wonach Auslandseinsätze der Bundeswehr im Rahmen eines 'Systems kollektiver Sicherheit' möglich seien. "Es gibt drei Resolutionen des UN-Sicherheitsrates gegen den IS, die das vorliegende Mandat abdecken. Nach dem EU-Grundlagenvertrag kann sich Frankreich zudem mit vollem Recht auf die Beistandsverpflichtung seiner EU-Partner berufen". Auch völkerrechtlich sei das Mandat "zweifelsfrei gedeckt", sagte Maas: "Frankreich kann sich auf das in Artikel 51 der UN-Charta verbriefte kollektive Selbstverteidigungsrecht berufen."

    Welch Hohn und welch dreiste Verdrehung der Realitäten. Waren es doch belgische und französische Staatsbürger, die die Anschläge in Frankreich verübten. Außerdem schreibt man die Urheberschaft der Anschläge dem Islamischen Staat zu. Also gesteht der Westen jetzt dem IS einen eigenen Staat zu und setzt ihn mit Syrien gleich? Die Vergleiche hinken an allen Ecken und Enden und wiederholen die Rhetorik, die wir schon vom Irak- und Afghanistan-Krieg her kennen. Und die deutsche Regierung hat nichts anderes zu tun, als freudig in genau dieses Kriegshorn zu blasen? Einzig allein Linke und Grüne denken über  eine Klage vor dem Verfassungsgericht nach. Bei den Luftschlägen handele es sich "eher um Vergeltung als um Selbstverteidigung", sagt die Grünen-Abgeordnete Annalena Baerbock. Und: "So sehr ich den Wunsch der Franzosen nach einer Reaktion und ihre Hilflosigkeit verstehe – Solidarität ist nicht gleichbedeutend mit blinder Gefolgschaft." Sahra Wagenknecht sagt: "Wir sind doch nicht mehr im Zeitalter 'Zahn um Zahn', wo man Barbarei durch neue Barbarei rächen muss". Auch verweist sie auf Afghanistan, wo seit 14 Jahren der sogenannte Krieg gegen den Terror geführt wird und die Taliban heute stärker sind als je zuvor. "Das zeigt, dass Bombardierungen solche Probleme nicht lösen. Wer das nicht begreift, der hat wirklich nichts begriffen."

    In einem Punkt stimme ich mit Sahra Wagenknecht nicht überein. Sie sagte gestern auf der Demonstration am Brandenburger Tor: "Niemand braucht diesen Krieg". Das ist schlichtweg falsch! Diesen Krieg brauchen jene, die daran verdienen ebenso wie jene, die mit ihren Kriegen seit 1990 die Welt neu ordnen wollen und damit schon eine ganze Reihe von Ländern zerstörten und ins Chaos stürzten. Dazu gehören auch die herrschenden Kreise hierzulande, auch wenn sie ihre politischen Lakaien manchmal beauftragen, nicht immer direkt mitzumachen. Die Bundeswehr kann ja gar nicht überall mitmachen, schon wegen ihrer Technikprobleme. Dazu sei erneut an das erinnert, was u.a. der Philosoph Elmar Treptow in seinem 2012 erschienenen Buch "Die widersprüchliche Gerechtigkeit im Kapitalismus - Eine philosophisch-ökonomische Kritik" schrieb: "Zu den Kämpfen mit außerökonomischen Mitteln kommt es regelmäßig nicht nur innerhalb der kapitalistischen Länder, sondern auch zwischen den Ländern, die mehr oder weniger kapitalistisch resp. ungleichmäßig entwickelt sind. Alle Nationen sind zwar formal gleichberechtigt, aber die großen und reichen Nationen sind die Mächte, die sich in den Konfrontationen auf dem Globus durchsetzen.

    Unter den Voraussetzungen des Kapitalismus herrscht permanente Friedlosigkeit. Das zeigen die Theorie und die Praxis des Kapitalismus in Geschichte und Gegenwart, einschließlich des Imperialismus damals und heute. Seit Jahrhunderten versuchen die kapitalistischen Länder, ihr System anderen Ländern aufzuzwingen, und zwar durch ökonomische Vorherrschaft, politische Gleichschaltung, kulturelle Bevormundung und militärische Gewalt. Dass Imperialismus und Demokratie sich nicht ausschließen, wurde seit dem Vietnam-Krieg deutlicher als je zuvor." (S. 20f.) An diese Grunderkenntnis, die nicht erst seit Treptows Buch bekannt ist, muss immer wieder erinnert werden, auch vor dem vermutlichen Ja einer Mehrheit heute im Budesstag zum nächsten Kriegseinsatz der Bundeswehr. Die Kapitalismus-Kritikerin Wagenknecht weiß das sicher auch. Sie hat es diesmal leider nicht gesagt.

    Britische Luftwaffe darf als erste ran, der Rest wird folgen
    Die aktuellen Beschlüsse der französischen, britischen und auch deutschen Regierungen, ebenfalls Syrien bombardieren oder "aufklären" zu wollen, ist ungeheuerlich! Es spielt gar keine Rolle, wie die Motive lauten, angeblichen die ISIS zu bekämpfen. Die gewählte syrische Regierung hat es ihnen nicht erlaubt. Das ist auch heute wieder in den syrischen Medien so zum Ausdruck gekommen. "Die Entscheidung des britischen Parlaments, die Luftangriffe gegen den IS in Syrien fortzusetzen, ist ein Verstoss gegen das Völkerrecht", sagte Damaskus. Die syrische Zeitung Al-Baath schreibt, Premierminister David Cameron führt damit eine "PR-Kampagne" in Unterstützung einer "US geführten Show unter Verletzung der UN-Charta". 

    Show ist das richtige Wort, denn mehr als eine vorgetäuschte Bekämpfung der ISIS haben die Amerikaner seit zwei Jahren nicht gemacht. Al-Thawra, eine weitere offizielle syrische Zeitung sagt, Cameron und das britische Unterhaus, "setzen sich über internationale Legitimität hinweg, wie immer." Kaum war der Beschluss der britischen Regierung vom Parlament genehmigt, flogen vier Tornados von der britischen Luftwaffenbasis auf Zypern los, um angeblich Stellungen des IS in Syrien zu bombardieren. Ist das jetzt keine Luftraumverletzung der Briten? Die Türkei und NATO regen sich über eine angebliche 17 Sekunden dauernde russische "Verletzung" fürchterliche auf und die Su-24 wurde ohne Grund über syrischem Territorium abgeschossen.

    Obama sagte darauf, die Türkei hat das Recht sich zu verteidigen. Ach wirklich? Was ist mit umgekehrt? Darf Syrien seinen Luftraum gegen fremde Eindringlinge nicht verteidigen? Müssen die Syrer einfach dulden, das sämtliche westliche Luftwaffen über ihre Köpfe rumfliegen und das Land bombardieren? Ach ich Dummerchen hab vergessen, der Westen und natürlich auch Israel sind ja "die Guten", können machen was sie wollen und der Zweck heiligt die Mittel. Das Motto lautet: Was kümmert uns Völkerrecht und die Souveränität von Staaten? Wir bomben wo und wann wir wollen. 

    Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon behauptete nach der Rückkehr der Bomber ganz stolz, die Bombenangriffe der Royal Air Force (RAF) gegen den IS, waren "ein schwerer Schlag" gegen die Finanzierung der Terrorgruppe. Wie schwer kann dieser "Schlag" schon gewesen sein, wenn laut BBC von den vier uralten Tornados, zwei mit ihren Bomben an Bord wieder zurückkamen? Dann muss die RAF unheimliche Zerstörungskraft an den Tag gelegt haben, mit zwei Bombern und einem Angriff mehr erreicht haben, als die US Air Force in zwei Jahren. Die Syrer haben völlig recht, von einer PR-Aktion der Briten zu sprechen. Speziell, wo Fallon dann noch hinzufügte, die Luftangriffe gegen die Extremisten werden wahrscheinlich über Jahre andauern. "Das wird nicht schnell gehen", sagte er.

    Hallo, was denn nun??? Wenn der heutige Angriff ein schwerer Schlag war, warum muss dann die RAF noch jahrelang weiter bomben?

    Dann meine Frage an das Bundesregime in Berlin: Warum soll die Bundeswehr jetzt auch noch mit "Aufklärung" illegal über Syrien fliegen? Die russische Militärführung hat doch genügend Luft- und Satellitenaufnahmen über die Stellungen der ISIS ins Internet gestellt. Kann man einfach googeln. Die Entsendung der Bundeswehr in das Kriegsgebiet wird nicht dazu beitragen, dass es zu einer Aussöhnung zwischen den Parteien kommt. Stattdessen beteiligen wir uns an einem völkerrechtswidrigen Krieg, der schon Jahre dauert. 

    Was die westlichen Völker am meisten verwundern müsste ist, dass erst nach dem G20-Gipfel in Antalya der Aktionismus des Westens so richtig in Fahrt kam.Präsident Putin legte Beweise vor, aus denen hervorgeht, dass der IS aus mindestens 40 Staaten finanzielle Unterstützung erhält. Es wurden Aufnahmen der Tausenden Tanklastwagen gezeigt, die eine rollende Pipeline mit gestohlenem Öl aus Syrien in die Türkei darstellen. Aber das sind ja kommunistisch verklärte Hirngespinste. Ein lächerlicher Versuch des Despoten Putin, dem lupenreinen Demokraten Erdogan zu verleumden.

    Erst als die russische Luftwaffe vormachte, wie schnell und effektiv sie die Terroristen bekämpft, springen alle auf den Zug und wollen auch mitmischen und ihre Lorbeeren holen. Offensichtlich will man den Sieg über den IS nicht alleine den Russen überlassen. Denn wenn die so weitermachen, haben sie Syrien bald vom Ungeziefer befreit. David Cameron hat dem britischen Parlament als Begründung für die Luftschläge gesagt, es gebe mindestens 70.000 Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA), mit denen die Briten die Angriffe gegen die ISIS koordinieren könnten. Die nächste scheinheilige Lüge nach "Die Drahtzieher von 9/11 sitzen in Afghanistan" und "Der Irak hat tonnenweise Massenvernichtungswaffen". Eine FSA in nennenswerter Form gibt es nicht. Gäbe es wirklich 70.000 Kämpfer der FSA, oder überhaupt irgendwelcher Oppositionskräfte in dieser Grössenordnung, hätten sie schon längst Damaskus erobert, Bashar al-Assad aus dem Amt gefegt und ganz Syrien übernommen. 

    Fazit
    Die Entsendung der Bundeswehr in das Kriegsgebiet wird nicht dazu beitragen, dass es zu einer Aussöhnung der Konfliktparteien in Syrien kommt. Auch die russischen Luftangriffe haben die Gräben zwischen den regionalen Konfliktparteien vertieft. Im Irak zeigt sich ebenfalls, wie schädlich sich militärische Interventionen von fremden Mächten auf die Region auswirken: Die Washington Post berichtet, dass viele Iraker der Auffassung sind, dass die USA mit dem IS verbündet sind. Die Zeitung zitiert Stimmen, die sagen, dass der IS längst am Ende wäre, wenn er nicht von den USA gestützt würde. Man traut den Amerikanern nach so vielen Jahren der Militär-Präsenz nicht mehr zu, dass sie Teil eines zivilen Neuaufbaus sein könnten.

    Die Washington Post berichtet in einem anderen, erschütternden Artikel über Afghanistan, wo sich das ganze Dilemma darin manifestiert, dass nach dem Abzug der regulären US-Truppen eine „Schatten-Armee“ der CIA mit einer brutalen afghanischen Miliz kooperiert. Die CIA ist nicht zur Beachtung der Menschenrechte verpflichtet, schreibt die Zeitung, und berichtet von brutalen Morden an der Zivilbevölkerung durch die unheilige Allianz. Solches wird man vielleicht auch in einigen Jahren im Nahen Osten beobachten, weil jetzt kaum noch eine westliche Nation nicht in irgendeiner Weise verstrickt und daher für die andere Seite suspekt ist. Frieden kann nicht mit Waffen geschaffen werden. 
    Denn Waffen sprechen nicht, sondern töten.

    Donnerstag, 19. November 2015

    Ein Europa ohne Nato?


    Ich bin geplättet! Nun ist sie da, die Sensation. Und nur die Minderheit erkennt die Bedeutung zwischen all den Schlagzeilen von Terror und Flüchtlingsströmen. Frankreich ruft den innereuropäischen Bündnisfall aus und zeigt damit offen sein Misstrauen gegenüber der NATO. Fakt ist, dass Artikel 42 Absatz 7 erstmalig in der Geschichte des geeinten Europas aufgerufen wird. Ein Novum in mehreren Richtungen. Der Bündnisfall verpflichtet die europäischen Partner zu Hilfe und Unterstützung im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Natürlich im Einklang mit Artikel 51 der UN-Charta, der besagt, dass zwar das Recht auf Selbstverteidigung im Angriffsfall gegeben ist, aber jederzeit Maßnahmen zu erfolgen haben, die zur Wahrung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlich sind.




    Stellt sich einem nicht als erstes die Frage,  warum Frankreich nicht den NATO-Bündnisfall ausruft? Geht man in der Geschichte Frankreichs nur ein paar Jahrzehnte zurück, stellt man fest, dass schon Charles de Gaulle der NATO misstraut hat und durchsetzte, dass Frankreich über viele Jahre eben nicht Mitglied des Transatlantischen Verteidigungsbündnisses war. Zum einen war de Gaulle der Meinung, dass Frankreich über 10 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs wieder auf eigenen Beinen stehen konnte, als "Grande Nation" wieder zu seiner Unabhängigkeit gelangen und sich von der Kommandantur der Vereinigten Staaten lösen sollte. Sicherlich spielte aber auch die massive Zerstörung Frankreichs durch amerikanische Truppen im WW2 und auch die Aussicht auf eigene Atomwaffen und der damit einhergehende Aufstieg zur Atommacht eine ausschlaggebende Rolle, aber das steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist Charles de Gaulle löste Frankreich vorsichtig aus diesem Militärbündnis.

    In den letzten Monaten dürfte es unübersehbar geworden sein, dass die USA im Nahen Osten ein falsches Spiel spielen. Abgesehen vom allgemeinen westlichen (seit 14 Jahren widerlegten) Trugschluss, dass militärische Intervention jeglichen Terror zurückdrängen, zeigte uns der Friedensnobelpreisträger Obama, dass die ach so überlegene amerikanische Luftwaffe offensichtlich nicht in der Lage ist, den IS auch nur einen Zentimeter zurückzudrängen oder einzuschränken. Dann kam der böse Russe... Blöd nur, dass Wladimir Putins Eingreifen in Syrien zumindest völkerrechtskonform ist, im Gegensatz zu allen anderen Nationen, die militärisch vor Ort vertreten sind. Ebenso dumm ist, dass Russland den IS innerhalb weniger Wochen scheinbar empfindlich trifft.

    Der böse Russe hat erreicht, dass ein Umdenken bei allen beteiligten Parteien stattfindet. Er hat es sogar geschafft, den Iran, Saudi Arabien und die USA an einen Tisch zu zwingen. Noch erstaunlicher ist, dass bei diesen Konferenzen nicht nur leere Worthülsen kreiert wurden, sondern innerhalb kürzester Zeit Ergebnisse kommuniziert wurden. Sogar die USA geben - wenn auch zögerlich und kleinlaut - klein bei und stimmen zu, dass Assad eben nicht durch andere Staaten gestürzt werden darf. Sollten die Amerikaner jetzt dem syrischen Volk noch das demokratische Recht zugestehen, über seine Regierung und seine Zukunft selbst zu bestimmen, wäre das eine noch größere Sensation. Es bleibt also spannend auf der syrischen Bühne. Aber offensichtlich ist, dass das gebetsmühlenartig runtergeleierte Mantra "Assad muss weg" der Erkenntnis gewichen ist, dass nur mit dem syrischen Machthaber eine Beendigung der IS-Morde und ein weiteres Erstarken der islamischen Radikalisierung zu erreichen ist.

    Vielleicht sehen wir in diesem Gebahren die Erkenntnis, dass ein weltbekannter deutscher Physiker einst mit dem Satz „Probleme können niemals mit derselben Denkweise gelöst werden, durch die sie entstanden sind“  mehr als Recht hatte. Es wird scheinbar auch den loyalsten Transatlantikern klar, dass die USA die Verantwortung für das Chaos rund ums Mittelmeer tragen und auch die Verantwortung  für ihr Handeln übernehmen müssen. Es erscheint in der aktuellen Situation wenig sinnvoll, weiterhin darauf zu warten, bis die USA das von ihnen verursachte Morden beenden. Natürlich ist die neue Linie der Amerikaner zu Syrien nicht dem moralischen Wandel geschuldet, sondern dem Umstand, dass Russland der Welt aufzeigt, wie gegen Terroristen vorgegangen werden muss, sollte man Erfolge erzielen wollen.

    Die Brutalität der Terroranschläge in Paris haben Europa stark erschüttert. Unser aller Söderlein hat ja auch völlig erschüttert in den Äther getwittert, dass Paris alles ändert. Sicherlich wollte er ein wenig am rechten Rand fischen und die bösen moslemischen Flüchtlinge an der Grenze stehenlassen, aber in einem Punkt stimme ich mit ihm überein, Paris ändert alles! Es wird dafür sorgen, das weitere Europäer aus ihrer Lethargie erwachen und erkennen, dass Washingtons Interessen nichts, aber auch rein gar nichts mit denen der Europäer gemein haben. Monsieur Hollande hat nun offenbar die Konsequenzen gezogen und Herrn Obama und seinen Kriegsministern eine schallende Ohrfeige verpasst. Etwas, wozu unsere Mutti ja scheinbar nicht in der Lage ist. Wie als nicht so muss es interpretiert werden, wenn Frankreich die Unterstützung der NATO verschmäht und eine Allianz mit Russland präferiert? Denn genau das impliziert der Ruf nach innereuropäischer Untertützung. Nur so hat Frankreich die Möglichkeit mit Russland zusammen zu arbeiten und sich der nervigen, rethorisch einseitigen Intervention aus Übersee zu entziehen. Die Aufhebung der europäischen Sanktionen werden als nächstes passieren. Garantiert!

    Ich interpretiere die Anschläge des IS in Paris als Zeichen der Schwäche – des IS. Russland hat durch seine Intervention den IS innerhalb weniger Wochen in eine prekäre Situation gebracht. Die Terrormiliz wird von der syrischen Armee mit Unterstützung Russlands verjagt. Und mit ihm muss auch die USA mittelfristig aus Syrien weichen. Sie evakuieren mittlerweile bereits mit Hilfe Saudi Arabiens und der Türkei ihre IS-Kämpfer Richtung Jemen. Ja, ein weiterer Kriegsspielplatz der uns ebenfalls in naher Zeit noch in Atem halten wird. Die Bomben Sicherungsmittel zur Stabilisierung der Region für die Saudis sind ja schon vertraglich geregelt. Die Munitionsvorräte des IS sind größtenteils zerstört, die Kommandozentralen vernichtet. Frankreich fliegt nun Angriffe gegen wirkliche Ziele – in Raffa zum Beispiel – anstatt nur alte Bomben in der Wüste zu entsorgen. Es greift strategisch wichtige Ziele an und versucht endlich auch, die Finanzflüsse des IS durch Ausschalten der Ölkonvois auszutrocknen. Und - welch ein Wunder -  plötzlich melden sogar die Amerikaner, dass sie Konvois von Tanklastwagen zerstört haben. Warum erst jetzt? Der angeblich schwerfällige, russische Bär hat den Adler düpiert. So lange Amerika allein seine Kriegsspielchen durchführen konnte, konnte es stets behaupten, es ginge nicht besser und die USA täten alles in ihrer Macht stehende. Dann zeigen die angeblich militärisch unterentwicklten Rotarmisten, dass es eben doch effektiver geht. Vielleicht unterstelle ich Amerika ja auch nur fälschlicherweise den fehlenden Willen, diesen Krieg endlich zu beenden zugunsten der profitablen Kriegsmaschinerie und sie können es wirklich nicht besser. Dann allerdings wäre die Neuorientierung Richtung Russland nur noch umso verständlicher. Schließlich hat Frankreich und mit ihm die gesamte europäische Staatengemeinschaft ein echtes Interesse am Ende des Krieges und des Terrors und muss sich eine eigene aber kompetente und am Völkerrecht orientierte Koalition der Willigen schmieden. Und man sollte sich für Partner suchen, die wirklich helfen wollen - und es auch können.

    Hollande bemerkte bereits direkt nach den Anschlägen, er wüsste, wer für die Greuel verantwortlich wäre. Sicherlich meinte er in Erinnerung an den Anschlag auf Charlie Hebdo die Terrormiliz, aber vielleicht gingen seine Gedankenspiele auch noch in eine andere Richtung. Auf jeden Fall ist es äußerst bemerkenswert, dass der französische Präsident eine militärische Zusammenarbeit mit der von der USA befehligten NATO gar nicht erst in Betracht zieht, sondern unverzüglich eine Unterstützung durch Europa und Russland präferiert. Hinzu kommt, dass man europaweit nicht mehr wirklich ignorieren kann, in welchem Ausmaß Washington auch für die anderen Farbenrevolutionen, das braune Vakuum in der Ukraine und die militärischen Verwicklungen dort verantwortlich ist. Ebenso, wie inzwischen beim Letzten angekommen sein dürfte, dass die Sanktionen gegen Russland primär die europäische Wirtschaft treffen, während der große Bruder aus Übersee weiterhin gute Geschäfte mit dem Geächteten macht.

    Es bleibt zu hoffen, dass die Ausrufung des europäischen Bündnisfalls durch Frankreich eine tiefe Zäsur in der internationalen Politik darstellt. Wir dürfen dem Transatlantischen "Verteidigungs"bündnis nicht mehr trauen! Es ist bekannt, in welchem Ausmaß der NATO-Partner Türkei den IS unterstützt, den Syrern gestohlenes Öl als Hehlerware weiterveräußert und aktuell Europa mit den Migrantenströmen erpresst. Wer über den Tellerrand hinausschaut, erkennt, dass Russland keineswegs als Aggressor im Nahen Osten agiert. Auch macht es strategisch nicht wirklich Sinn, das größte Territorium der Welt, was auch noch reich an Bodenschätzen ist, gegen den Widerstand der restlichen Welt mit militärischen Mitteln auszuweiten. Ebenso wissen wir, dass die USA mit ihren mehr als 1.000 Militärbasen weltweit bestrebt sind, ihre "Pax Americana" dem Rest der Welt aufzuzwingen. Der Rest der Menschheit darf zusehen, wie die Bestrebungen Amerikas weite Teile der restlichen Welt zerstören - und nein, die westlichen Demokratien sind bei weitem nicht der Rest der Welt. Warum handelt Washington so? Es hat den Anschein, dass Amerika nicht allein untergehen möchte.

    Betrachtet man die aktuelle Situation realistisch, stellt sich folgendes Bild da: Während überall auf der Welt trotz Banken- und Wirtschaftskrisen rasante Fortschritte zu beobachten sind, besonders in den BRICS Staaten, ist der progressive Verfall der Vereinigten Staaten unübersehbar. Ganze Städte gehen in die Insolvenz, die staatliche Infrastruktur ist landesweit in einem jämmerlichen Zustand. Fast 15% der amerikanischen Bevölkerung leiden lediglich keinen Hunger, weil sie von Lebensmittelmarken leben. Die USA sind nun einmal der größte Schuldner der Welt. Sie sind dermaßen pleite und es nirgends auch nur ein Hoffnungsschimmer am Horizont zu sehen, außer natürlich, die heimische Wirtschaft wieder mit neuen, großen, langen Kriegen aufzupäppeln. Und das soll das humane und demokratische Modell für die Heilung dieser schon arg mitgenommenen Welt sein?

    Seit nunmehr zwei Jahren arbeiten die BRICS Staaten - allen voran Russland und China - daran, die Dominanz des Dollars aufzubrechen. Denn diesen nutzt Amerika, um die restliche Welt auszubeuten. Ob Ölgeschäfte, Waffenhandel oder Unterstützung von "gemäßigten" Terroristen, der Handel läuft überwiegend in Dollar ab. Und die Amerikaner wissen es sicherlich selbst: Ist der Dollar nicht mehr die Weltwährung, ist Schluss mit Glanz und Gloria des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten. Keine gekauften Parlamente, Revolutionäre und Söldner mehr. Amerika steht mit dem Rücken zur Wand und beißt mit schäumendem Maul um sich, wie ein tollwütiger Hund, der vor seinem Infarkt noch schnell möglichst viele beißen möchte. Die USA wissen, dass die Russland - inbesondere bei einem Schulterschluss mit China - militärisch weit unterlegen sind. Das ist natürlich mit ein Grund, warum Obama auf der Wiener Konferenz so plötzlich von seinem Kurs abweicht, der den kompletten Nahen Osten destabilisiert und Europa so in Bedrängnis gebracht hat. 

    Es wird Zeit, dass sich Europa emanzipiert. Frankreich hat erkannt, dass Europa die NATO nicht mehr braucht und das bereits 1990, nachdem die Sowjetunion in den Wirren der Perestroika niederging. Wenn Russland nicht unser Feind ist, gegen wen sollte uns die NATO dann "verteidigen"? Mit der Ausrufung des europäischen Bündnisfalls tut Frankreich folgerichtig das, was Deutschland offensichtlich nicht darf oder kann: Die europäische Gemeinschaft auffordern, seine Interessen selbständig zu vertreten, ohne die NATO. Die jetzt begonnene militärische Zusammenarbeit mit Russland lässt die Hoffnung aufkeimen, dass Frankreich erkannt hat, wie Europa das Ruder noch rumreißen kann. Nur aus Basis einer friedlichen Zusammenarbeit in einem eurasischen Wirtschaftsraum und der Implementierung einer humanen Marktwirtschaft haben wir die Chance, den humanistischen Anspruch Europas wieder zu einem Gegengewicht des menschenfeindlichen Imperialismus werden zu lassen, ganz egal, wie sehr auch immer Washington dagegen intrigiert. Wofür wurde denn Anfang des neuen Jahrtausends eine „schnelle Eingreiftruppe“ in Europa installiert? Damit wir auf Herausforderungen, wie wir sie jetzt in Syrien erleben, reagieren können. Gegen Russland brauchen wir sie offensichtlich nicht. Die Zeiten des guten Kapitalisten gegen den bösen Kommunisten sind längst vorbei. 

    Was bei dem ganzen Thema nicht übersehen werden darf ist, dass das destruktive Verhalten der USA nur ermöglicht wird, weil sich der Rest der Welt dem amerikanischen Finanzdiktat nach wie vor beugt und der Spur des Geldes folgt. Wenn es also wirklich unser Wunsch ist, den so oft zitierten Weltfrieden zu verwirklichen, bleibt uns nur der Abschied vom Zeitalter des Turbokapitalismus mit starker amerikanischer Prägung. In Kombination mit den Thesen der vorherigen Artikel, der Rückbesinnung auf gemeinschaftliche Werte, Familie, Humanität, Toleranz und vor allem Empathie ist das zwar ein langwieriger Weg, aber es ist machbar. Wenn die deutsche Politik schon nicht das Rückgrat hat, dem amerikanischen Präsidenten die Stirn zu bieten sollten die ersten Schritte für Deutschlands folgende sein: Wir dürfen uns nicht nicht mehr mitschuldig machen, in dem wir das US-Militär mitfinanzieren, deren völkerrechtswidrige Drohnenkriege unterstützen und selbst der weltweit drittgrößte Waffenexporteur bleiben.

    Es ist fünf vor zwölf. Bleibt zu hoffen, dass Hollande mit dem ersten Schritt weg von Amerika hin zu Europa einen Stein ins Rollen bringt und endlich jemand an der Uhr dreht.