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    Mittwoch, 29. März 2017

    Denkanstoß No. 5

    Die Wurzel allen Übels

    (Dian the Saint)

    Es lebte einst das Adelspack,
    vollgefressen, fett und satt
    auf Kosten seiner Untertanen,
    angeblich auch in Gottes Namen.

    Herrscher, Popen und Durchlauchte,
    die schon damals keiner brauchte,
    versicherten durch Mord und List,
    dem Volke, dass es nötig ist,

    dass sie die Menschen überwachten,
    und im Ernstfall für sie dachten.
    „Wir schützen euch vor bösen Feinden“,
    sagten sie, und was sie meinten

    war, dass sie das selbe wollten,
    wie die, vor den‘ sie schützen sollten.
    Und was sie wollten war nicht wenig,
    vom Landvogt bis hinauf zum König

    machten sie gar fette Beute
    durch Ausbeutung der armen Leute.
    Das Volk indes, so schwach wie dumm,
    erduldete das lange stumm.

    Zahlte Steuern, ließ sich knechten,
    und tat für seine Herren fechten.
    verbeugte sich vor Witzgestalten,
    um diese davon abzuhalten

    mehr zu rauben, als sie raubten,
    wenn sie sich ernstgenommen glaubten.
    Die Alten lehrten es den Jungen,
    oder wurden gleich gezwungen

    die Jungen an den Staat zu geben,
    als Leihpfand für ein bess'res Leben.
    Und wäre nicht ein Krieg gekommen,
    und hätt' den Adel mitgenommen,

    sie würden heut noch verdienen,
    fleißig ihrem Kaiser dienen.
    Wenn sich im Menschenhirn nichts rührt,
    braucht es ’nen Führer, der es führt.

    Drum dauerte es auch nicht lang,
    bis der nächste Adel kam
    Er gab sich, anders als die Ahnen,
    nun volksnah und trug neue Fahnen.

    Doch sein Geschwätz war altbekannt:
    Opfert euch für euer Land
    und hört auf die, die oben stehen,
    dann wird es euch bald besser gehen.

    Der Mob, noch immer nicht gescheiter,
    vertraute diesen Worten heiter,
    glaubte, wer immerzu von Pflicht,
    Disziplin und Ordnung spricht

    wie es einst schon die Väter taten,
    der kann dem deutschen Volk nicht schaden.
    Da Zwang, das lernt man schon als Kind,
    vor allem den Gezwung'nen dient

    und die, die streng und herzlos scheinen,
    es ja nur gut mit einem meinen
    So reihten sich bald immer mehr,
    ein ins strenge Nazi-Heer,

    bis selbst die, die es besser wussten,
    mit ihnen mitmarschieren mussten
    und wer sich noch dagegen wehrte,
    verzweifelt an den Fesseln zerrte,

    den schimpfte man erst Volksverräter,
    und erschlug ihn wenig später,
    ohne dass die Lemmingschar,
    in deren Namen dies geschah

    dran dachte, Widerstand zu leisten.
    Stattdessen fügten sich die Meisten
    marschierten stolz von Sieg zu Sieg,
    hinein in den totalen Krieg.

    Und erst, als auch der dümmste Schütze,
    gesehen hat, dass es nichts nützte
    im Bombenhagel zu krepieren,
    oder in Russland zu erfrieren,

    legten sie die Waffen nieder
    und sangen wieder Friedenslieder
    Die Freiheit hat das Land ereilt,
    und wenn es auch noch war geteilt

    so hatten alle doch im Sinn,
    dass es nun endlich aufwärts ging
    bestimmten Männer, die bestimmten,
    für all die Stummen, Tauben, Blinden

    die auf einmal „Wähler“ hießen,
    und all zu viel beim Alten ließen
    Noch immer schlägt die Polizei,
    in Notwehr manchen Mensch entzwei.

    Noch immer schießt das Militär,
    Feinde tot und schafft noch mehr.
    Noch immer gibt’s ne Oberschicht,
    hat deren Stimme mehr Gewicht,

    als die der arbeitenden Herden,
    die immer noch beschissen werden.
    Doch abgefüllt mit "Brot und Spiele",
    erdulden dieses Leben viele,

    bis auch die Spiele und das Brot,
    gestrichen werden in der Not
    Dann schreien sie nach alten Zeiten,
    nach Adel, Kaiser, Obrigkeiten

    und dem, der besser als sein Ruf,
    weil er die Autobahnen schuf.
    So lang' Menschen nach Reichtum gieren,
    Neid und Eifersucht verspüren,

    so lang sie trotten mit den Massen,
    und and're für sich denken lassen
    so lang die Schafe nicht begreifen,
    dass alle Hirten sie bescheißen.

    so lange wird das weitergehen,
    wird nichts dauerhaft bestehen.
    Denn jeder Umsturz bringt als Lohn,
    nur Ruf nach neuer Rebellion

    Sie wälzen um, was grad nicht passt,
    und dann, in eigennütz’ger Hast
    bauen sie sich eine Welt,
    die wieder ander'n nicht gefällt.

    Das wird noch tausend Mal passieren,
    wenn sie nicht endlich mal kapieren,
    dass Ausweispflicht und Uniformen,
    Krieg, Bürokratie und Normen,

    Steuern, Zwang und all der Mist,
    die Wurzel allen Übels ist.
    Einst vom Adel eingeführt,
    hat seither niemand dran gerührt.

    So leben wir im Grund noch heute,
    nach den Ideen dieser Leute,
    die doch schon damals keiner brauchte,
    Herrscher, Popen und Durchlauchte.

    Man warf die Wichser über Bord,
    doch ihre Lügen lebten fort.
    Bis heute fällt's den meisten schwer,
    zu glauben dass es möglich wär,

    ein Leben ohne die zu führen,
    die einen führ’n und kontrollieren.
    Ein später Lohn für die, die logen,
    und skrupellos ihr Volk betrogen:

    noch immer basiert uns’re Welt,
    auf deren krankem Menschenbild
    wonach die Freiheit nur durch Zwang,
    aufrechterhalten werden kann

    und der, der dies nennt „Tyrannei“,
    bloß ein verrückter Träumer sei.


    Montag, 20. März 2017

    Lex Europae

    http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=OJ:JOL_2013_192_R_NS002 Die Vereinigten Staaten von Europa sind ganz klar empfohlen. Hopp hopp lieber Bürger, strammgestanden für eine "...Föderale Union von Staaten mit breiten Kompetenzen...". Schnell noch zwischen Arbeit, Alltag, Familie, Party, Ficken, Saufen und Hirn vom Fernseher wegbrezeln lassen ein Kreuzchen für Maddin bei der nächsten Bundestags"wahl", oder für die alternative Frauke oder die gar so linke Sahra... Wird schon werden, die werden es endlich besser machen. Garantiert... DAS ist die Hoffungen - dass endlich durch einen so genannten Politiker etwas besser wird. Besser für verarmte Kinder und Rentner, besser beim Erhalt und Modernisierung von Schulen und kulturellen Einrichtungen, besser bei einer aggressiven Bekämpfung von Kriegstreiberei, Steuergeldverschwendungen, Lobbyismus, Hetze, Hass und Gewalt, besser beim Organisieren einer kontinenteübergreifenden Entwicklungshilfe, die ihren Namen auch wirklich verdient, besser bei einer rigorosen Ahndung von Folter, Misshandlungen und Kindesraub. Dann und nur dann wäre ein Politiker überhaupt wählbar. Und das kann kein hochbezahlter, nichtsnutziger EU Abgeordneter sein, dessen ganzer Beitrag für die Menschen in Europa und der Welt ist, dass er an Sitzungen und Abstimmungen teilnimmt (oder nicht), so oder so seine Kohle kassiert und ansonsten nichts Produktives zustande bringt.
    Um diese Welt zu retten, muss Politik wieder ein Ehrenamt werden. Die jeweiligen Positionen müssen durch Menschen aus der Mitte der Gesellschaft besetzt werden, die von der wirklichen Mehrheit der Bevölkerung legitimiert werden - durch freie Wahlen, mit der Möglichkeit, jederzeit jene abzusetzen, die nicht im Sinne der Gemeinschaft handeln oder einen persönlichen Vorteil aus ihrem Amt ziehen. Politik und deren ausführenden Gewalten müssen wieder vollumfänglich für sittliche Verstöße haftbar gemacht werden. Rechtverstöße dürfen kein Kavaliersdelikt sein (Vorbildsfunktion). Und vor allem muss es wieder eine Struktur von unten nach oben geben, von Gemeinde zu Kreis zu Land zu Staat zu Konförderation. Eine subsidiäre Gesellschaft, die Gemeinwohl vor Eigennutz stellt. Ich könnte die Liste, mit dem was hier falsch läuft ewig weiterführen. Aber dass dies ein Wunschtraum bleibt, zeigen die jüngsten Auswürfe von Lammert, Bartolomeo und Co. Im Gegenteil, weniger Souveränität für die einzelnen europäischen Staaten, weitere Bevormundung und der finale sozialistische Einheitsbrei werden mit unbeirrter Bestrebung vorangetrieben. Bald werden wohl unsere innen- und außenpolitischen Geschicke von hochzahlten jedoch schlecht ausgebildeten Subjekten bestimmt, deren Fokus auf weltbewegenden, friedenstiftenden Themen ruht: Gurkenkrümmung (http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:31988R1677),
    quecksilberverseuchte Energiesparlampen (erst gut https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Magazine/MagazinEuropapolitik/067/th-4-gluehbirne.html dann schlecht http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/energiesparlampen-umweltbundesamt-warnt-vor-gift-in-oeko-leuchten-a-732406.html)
    Normschiss (https://www.beuth.de/de/norm/din-en-997/144254086)
    Energieverbrauch von Staubsaugern (http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=OJ:JOL_2013_192_R_NS002) Nicht zu vergessen all die demokratieexportierenden Kriege bei denen Europa bereits jetzt unter dem Deckmantel der NATO mitspielt und stillschweigend Kriegsverbrechen, Völkerrechtsbruch und Kollateralschäden in Kauf nimmt, ja gar die Waffen für die anzuheizenden Konflikte exportiert und sich allein an den Munitionslieferungen dumm und dusselig verdient. Lobbyisten, die ihre eigenen Gesetze Tag für Tag brechen um sich zu bereichern und denen die Belange der Völker Europas schlicht und einfach scheißegal sind. Wenn sich nicht bald auf die wirklich wichtigen Themen besonnen wird, wenn wir weiter diesen Planeten mit atomaren GAUs, Uranmunition und Plastemüll verseuchen, wenn wir die Vergewaltigung der Natur und ihrer Lebewesen ignorieren, wenn wir unser Sklaventum hinnehmen und nicht aufbegehren, dann wird unsere Zukunft lustiger, als alle Dystopien von Huxley, Orwell, Gibson, Burgess, Wachowski, Harris und Saramago zusammen! Wer wirklich angesichts der weltweiten Verpflechtungen und des enormen planetaren Missmanagements noch der Ansicht ist, hier sei etwas mit aktuellen System zu retten, dem ist nicht mehr zu helfen. Und der ist weitaus gefährlicher, als die Summe aller Verschwörungstheoretiker und Reichsbürger!


    Sonntag, 8. Januar 2017

    Denkanstoß Nr. 4

    Im sozialen Netzwerken Nummer 1 wurde heute folgendes Bild eingestellt:


    Ich finde, dass die liebe Barbara sich damit wirklich ein Eigentor geschossen hat, da sie genau in die gleiche Pfeife bläst. Zudem konnte man wirklich drauf warten, dass sich die Leute verbal wieder an die Gurgel gingen. Das Erschreckende ist, dass obwohl so offensichtlich, das "Teile und Herrsche"-Prinzip immer noch so unglaublich einfach funktioniert und die Menschen einfach nicht begreifen wollen, dass Ressentiments und Polemik nur dazu dienen, uns auf horizontaler Ebene zu beschäftigen und unsere Kräfte zu binden, damit wir ja nicht auf die Idee kommen, uns statt mit Symptombeseitigung zu beschäftigen, endlich mal die Ursachen dieser kranken Welt zu beseitigen. Die liegen nämlich im Vertikalen... Wird dieser gemeinsame Bewusstseinssprung irgendwann kommen? Ich habe das Gefühl, dass ich das wohl nicht mehr erleben werde.


    Wann?

    Es woll'n die Leut`hier nicht begreifen,
    dass sie sich lassen überstreifen
    das "Teil' und herrsche" Clownskostüm,
    in dem sie dann ganz ungestüm
    und voller lauter Zwischenrufe
    sich stellen auf die geist'ge Stufe
    mit all den Kindergartenkindern.
    Horizontal im Kampf sich schindern.

    Anstatt sich einig zu verbünden
    und endlich anfang'n zu ergründen,
    wem die Polemik so sehr nützt.
    Sobald das Volk sich unterstützt,
    ist's hier im Lande schnell vorbei
    mit Lug und Trug und Sklaverei.
    Sie streiften ab die DEUTSCHE Geißel
    mit Sachverstand, Hammer und Meißel.

    Statt aufeinander loszugehen,
    sollte man fest zusammenstehen.
    Und jagen raus aus unser'm Lande
    die verbrecherische Bande,
    die fett und faul im Reichstag sitzt,
    während der Michel ächzt und schwitzt.
    Um deren Pfründe abzusichern.
    Derweil die Bonzen fressen, kichern

    und weiter sich die Taschen füllen.
    Derweil die Menschen weiter brüllen:
    "Bist links!", "Bist rechts", "Dich mag ich nicht!"
    Und die Moral von der Geschicht'?
    Wir gingen ein in die Annalen,
    wenn endlich auf der vertikalen
    Ebene etwas passiert.
    Dann wär'n die Lügner angeschmiert.

    Freitag, 30. Dezember 2016

    An das Publikum



    Interessante Zeilen von Kurt Tucholski, lange vor dem aktuellen Konstrukt...

    An das Publikum - Kurt Tucholski

    Oh hochverehrtes Publikum
    sag mal: bist du wirklich so dumm,
    wie uns das an allen Tagen
    alle Unternehmer sagen?
    Jeder Direktor mit dickem Popo
    spricht: „Das Publikum will es so!“
    Jeder Filmfritze sagt: „Was soll ich machen?
    Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!“
    Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
    „Gute Bücher gehn eben nicht!“
    Sag mal, verehrtes Publikum:
    bist du wirklich so dumm?

    So dumm, daß in Zeitungen, früh und spät,
    immer weniger zu lesen steht?
    Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein;
    aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein;
    aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn
    könnten mit Abbestellung droh'n?
    Aus Bangigkeit, es käm' am Ende
    einer der zahllosen Reichsverbände
    und protestierte und denunzierte
    und demonstrierte und prozessierte…
    Sag mal, verehrtes Publikum:
    bist du wirklich so dumm?

    Ja, dann…
    Es lastet auf dieser Zeit
    der Fluch der Mittelmäßigkeit.
    Hast du so einen schwachen Magen?
    Kannst du keine Wahrheit vertragen?
    Bist also nur ein Grießbrei-Fresser -?
    Ja, dann…
    Ja, dann verdienst du's nicht besser.


    Dienstag, 27. Dezember 2016

    Warum Beamte die Adligen von heute sind

    Eigentlich sollte der Ruhestand doch ein Lebensabschnitt sein, in dem es keine finanziellen Sorgen gibt. Man sollte seine arbeitsfreie Zeit genießen können, Sachen tun, für die man zuvor keine Zeit gehabt hat. Ohne jeden Groschen umdrehen zu müssen oder gar in Altersarmut zu verfallen.
    Hierzu bedarf es einer ausreichenden Altersversorgung. Nachdem man jahrelang einem Beruf nachgegangen ist und regelmäßig in die Rentenkasse eingezahlt hat, sollte man meinen, dass diese gewährleistet ist.
    Doch die Realität sieht leider anders aus: Nach aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung erhielten Männer im Jahr 2014 eine durchschnittliche Rente in Höhe von 1.013 Euro. Bei Frauen lagen die Bezüge unter Einbezug der Hinterbliebenenrente im Schnitt bei lediglich 762 Euro pro Monat.[1]
    In vielen Fällen reicht die Altersversorgung nicht aus, so dass eine zusätzliche Altersgrundsicherung in Anspruch genommen werden muss. Und die Entwicklung in den vergangenen Jahren verspricht nichts Gutes: Heute beziehen laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband nämlich doppelt so viele Ruheständler eine Altersgrundsicherung wie noch im Jahr 2003. Der Zuschuss entspricht in vielen Kommunen in etwa dem, was Hartz IV-Empfänger erhalten. Und es ist ein Irrglaube, wenn man denkt, dass hiervon nur Niedrigverdiener betroffen sind.
    Nein, auch für große Teile der Mittelschicht könnte diese Situation schon bald zum Alltag werden. „Elf bis zwölf Millionen Arbeitnehmer laufen auf Hartz-IV-Anspruch im Alter und Altersarmut zu“, schlug Verdi-Chef Frank Bsirske zuletzt Alarm. Diese Entwicklung lässt ihn zu folgender Schlussfolgerung kommen. „Hier tickt eine soziale Zeitbombe.“[2]
    Schon heute befinden sich unter den Grundsicherungsbeziehern sieben Prozent Akademiker. Selbstständige kommen auf einen Anteil von 30 Prozent. Unter ihnen dürften sich ebenfalls mehrere Personen mit einem Universitätsabschluss tummeln.

    Doppelt so hohe Pensionen wie Renten

    Während also viele Menschen mit Sorgen auf die Zeit nach ihrem Berufsleben blicken, gibt es eine Bevölkerungsgruppe, die von alldem wenig tangiert wird: die Beamten. Von den pensionierten ehemaligen Beamten beziehen null Prozent Grundsicherung. Kein Wunder, wenn man sich die satten Pensionen ansieht, die Beamte bekommen. Dem aktuellsten Alterssicherungsbericht der Bundesregierung zufolge erhalten 73 Prozent der ehemaligen „Staatsdiener“ ein Ruhegeld von über 2.000 Euro, bei mehr als der Hälfte (53 Prozent) fallen sogar über 2.500 Euro an. Und jeder dritte Ex-Beamte streicht sogar eine Pension von mehr als 3.000 Euro ein.[3]
    Um eine Rente von 2.400 Euro zu erhalten, müsste ein Durchschnittsverdiener in den westlichen Bundesländern 79 Jahre lang arbeiten, im Osten sogar 84 Jahre.[4]

    Nur 1.595 Euro pro Monat!

    Nach Abzug aller Steuern und Krankenversicherungsbeiträge bleibt einem allein lebenden Ex-Angestellten durchschnittlich gerade einmal 1.595 Euro pro Monat, bei Paaren sind es 1.470 Euro pro Person. Wohl gemerkt unter Einbezug der betrieblichen Altersversorgung. Pensionierte Ex-Beamte bekommen mehr als das Doppelte. Obwohl ihre Ausgaben für private Krankenversicherungen und Steuern höher sind als bei Arbeitnehmern, bleiben im Monat bei Ein-Personen-Haushalten durchschnittliche Netto-Gesamteinkünfte von 3.404 Euro übrig, bei Paaren sind es 2.936 Euro.[5]
    Nach aktuellen Schätzungen wird der Staat bis zum Jahr 2050 satte 1,3 bis 1,4 Billionen Euro für Pensionen berappen müssen. Und diese werden vom Steuerzahler eingeholt und belasten damit wiederrum das Vermögen der Rentner. Damit bleibt weniger Geld zur Verfügung, um private Altersvorsorge zu betreiben, wie beispielsweise eine Riester-Rente. „68 Prozent der zuletzt als Arbeiter oder Angestellte in Deutschland Tätigen beziehen eine gesetzliche Rente als einzige Alterssicherung“, wie die Regierungsstatistik aufzeigt.[6]
    Neben den hohen Gesamtausgaben stören sich Kritiker wie der Bund der Steuerzahler vor allem auch am Berechnungsmodell, das den Pensionen zugrunde liegt. Die Ruhegelder richten sich nämlich ausschließlich nach dem letzten Bruttogehalt und damit in der Regel dem höchsten Salär einer beruflichen Laufbahn. Hiervon bekommen die Beamten je nach Dienstzeit bis zu 72 Prozent. Normalrentner erhalten hingegen nur einen Teil ihres Lebensdurchschnittsverdienstes: sie müssen sich mit maximal 48 Prozent ihres letzten Gehalts begnügen, nachdem sie 45 Jahre lang regelmäßig Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt haben.[7]

    Politische Beamte schießen den Vogel ab

    In den Genuss noch größerer Privilegien kommen politische Beamte. Bei kommunalen Wahlbeamten wie Landräten oder Bürgermeistern bedarf es in Thüringen einer Dienstzeit von lediglich 5 Jahren und schon kann man eine lebenslange Pension einstreichen. Ganz egal, ob man gerade 60 oder erst 4o Jahre alt ist. Einer dieser Frühpensionäre ist der ehemalige Baudezernent Carsten Meyer, der dieses Amt 6 Jahre lang in Weimar innehatte.
    Seit seinem 40sten Lebensjahr erhält er eine monatliche Pension in Höhe von 2.400 Euro. Das sind 35 Prozent seines aktiven Gehalts von damals 6.900 Euro. Bis zum regulären Renteneintrittsalter von 67 Jahren wird sich das Ruhegeld auf knapp 800.000 Euro summieren, komplett finanziert durch Steuergelder. Meyer hält diese Regelung für mehr als fragwürdig. „Ich finde es absurd und moralisch schwierig, dass man bereits mit 40 eine Pension bekommt, ob man will oder nicht. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Ich habe mal nachgefragt, man kann sie nicht ablehnen.“[8]

    Thüringen ist im Übrigen kein Einzelfall.

    Die großzügigen Privilegien für kommunale Wahlbeamte gibt es bundesweit. Während in Ländern wie Thüringen, Bremen, Niedersachsen, Saarland, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Brandenburg nur eine Amtsperiode nötig ist, bedarf es in den anderen Bundesländern zweier Amtszeiten. Dies ist allerdings auch nur auf den ersten Blick strenger, denn durch die Möglichkeit sich Arbeitszeiten anrechnen zu lassen, können die Regeln leicht umgangen werden. So hatte der frühere Essener Bürgermeister Reinhard Paß sein Amt über einen Zeitraum von 6 Jahren inne. In Nordrhein-Westfalen wird eine Sofortpension aber offiziell erst nach einer Amtszeit von 8 Jahren gezahlt.
    Von Gesetzes wegen können jedoch vorherige Tätigkeiten, die für das spätere Amt förderlich waren, auf die Zeit angerechnet werden. Im Falle von Paß waren das wohl seine Jahre als Betriebsratsvorsitzender. Auf diese Weise bezieht Paß eine monatliche Pension von gut 4.100 Euro, da sein aktives Gehalt knapp 12.000 Euro betrug.[9]
    Reiner Holznagel, der Präsident vom Bund der Steuerzahler kann die großzügigen Anrechnungsregeln nicht nachvollziehen. „Das ist total auslegbar und wurde auch in der Vergangenheit eigentlich immer unterschiedlich ausgelegt. Deswegen sind wir hier in einem völlig willkürlichen Bereich und der endet eben so, dass Personen eigentlich gar keine Anwartschaften und Pensionszusagen haben, weil sie die Zeiten nicht erreicht haben, aber im Nachhinein lassen sie sich Zeiten anrechnen und schwupsdiwupp haben sie eine richtig gute Pension.“ Kaum zu fassen ist der Fall von Jutta Bott, die im Jahr 2012 gerade einmal 16 Tage lang Stadtkämmerin von Osnabrück war.

    Wegen dienstlicher Verfehlungen wurde sie bereits nach dieser kurzen Zeit abgewählt.

    Nichtsdestotrotz bezieht sie eine Pension von 2.500 Euro, da sie sich eine vorherige Tätigkeit im öffentlichen Dienst anrechnen lassen konnte. Angesichts einer solchen Ungerechtigkeit hat Reiner Holznagel großes Verständnis für den Ärger vieler Bürger und deren Politikverdrossenheit. „Wenn man nur wenige Tage im Amt ist und schon mit 30 oder 40 Jahren die volle Pension bekommt, dann ist diese Situation auch dafür verantwortlich, dass die Bürger schlicht und ergreifend nicht mehr zu Wahl gehen, weil sie die Nase voll haben.“[10]
    Er setzt sich daher vehement für ein Ende der lebenslangen Luxusversorgung auf Kosten der Steuerzahler ein. „(…) was hier vorliegt, ist ein absolute Überversorgung, wenn die Personen gar nicht mehr im Amt sind. Das heißt, sie haben Anwartschaften und Pensionen, die gigantisch sind, und deswegen müssen wir hier eine Reform durchführen.“ Die Frühpensionäre können sich nach den heutigen Regeln sogar ein zweites berufliches Standbein aufbauen, ohne große Abstriche bei dem vorzeitig gezahlten Ruhegeld zu erleiden. Der ehemalige Baubürgermeister Carsten Meyer arbeitete nach seiner Amtszeit als Landtagsabgeordneter in Erfurt. „Ich hab da gut verdient, etwa 5.000 Euro. Man kriegt dann trotzdem die Pension dazu, es gab nur wenige hundert Euro Abzug. Das ist schon sehr merkwürdig.“

    Von vornherein zum Scheitern verurteilt…

    Meyer, der sein Ruhegeld im Übrigen für gemeinnützige Zwecke spendet, macht sich ebenfalls für Reformen stark. Im Jahr 2011 reichte er einen Gesetzesvorschlag, der es allerdings noch nicht einmal in den Ausschuss schaffte. Er wollte erreichen, dass die Pension erst nach dem Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters ausgezahlt wird. „Wir bekamen den Vorwurf, dass wir kommunalfeindlich seien. Ich habe nicht verstanden, was daran kommunalfeindlich ist, wenn man unnütze Ausgaben verhindert.“[11]
    Das größte Hindernis dürfte sein, dass es für eine grundlegende Reform des Pensionssystems einer Zweidrittelmehrheit im Bundestag bedarf. Im Parlament machen aber genau jene privilegierte Personen den Großteil der Mitglieder aus: Beamte, Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes und politische Parteien. Daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass dieses Thema ernsthaft zur Sprache kommt, geschweige denn tatsächlich Reformen durchgesetzt werden.[12]
    Kein Wunder also, dass der  Wirtschaftsprüfer Torsten Ermel Beamte im Gespräch mit der Zeit Online als die „Adeligen von heute“ bezeichnet.[13]
    [1] Vgl. http://www.huffingtonpost.de/2016/09/22/beamte-rente-arbeit_n_12136886.html?utm_hp_ref=politik
    [2] Vgl. http://www.huffingtonpost.de/2016/09/22/beamte-rente-arbeit_n_12136886.html?utm_hp_ref=politik
    [3] Vgl. http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-06/beamtenpension-rentenreform-altersarmut-ruhestand
    [4] Vgl. http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/sofortpensionen-fuer-wahlbeamte-100.html
    [5] Vgl. http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-06/beamtenpension-rentenreform-altersarmut-ruhestand
    [6] Vgl. http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-06/beamtenpension-rentenreform-altersarmut-ruhestand
    [7] Vgl. http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-06/beamtenpension-rentenreform-altersarmut-ruhestand
    [8] Vgl. http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/sofortpensionen-fuer-wahlbeamte-100.html
    [9] Vgl. http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/sofortpensionen-fuer-wahlbeamte-100.html
    [10] Vgl. http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/sofortpensionen-fuer-wahlbeamte-100.html
    [11] Vgl. http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/sofortpensionen-fuer-wahlbeamte-100.html
    [12] Vgl. http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-06/beamtenpension-rentenreform-altersarmut-ruhestand
    [13] Vgl. http://www.huffingtonpost.de/2016/09/22/beamte-rente-arbeit_n_12136886.html?utm_hp_ref=politik
    Zuerst erschienen auf: http://brd-schwindel.org/warum-beamte-die-adeligen-von-heute-sind/